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Die Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Verlage

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12/12/2012 von Stephan Dörner

Seit der Insolvenz von Frankfurter Rundschau und dem Aus der FTD überschlagen sich wieder einmal die Analytiker. Die eine einen, wie Werner D’Inka, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, verdammen das Internet. Die anderen, wie Wolfgang Michal, wiederholen die zehn Jahre alte Litanei, die Verlage hätten das Internet verschlafen.

Ich glaube, dass beide Seiten falsch liegen. Natürlich ist es unsinnig das Internet zu verdammen. Auf der anderen Seite gehört es aber seit Jahren zur Lebenslüge der Digitalen Avantgarde, die sich zum Journalismus äußert, dass die Verlage das mit dem Internet nur mal richtig begreifen müssten und dann wären alle Probleme gelöst.

Ich möchte an dieser Stelle beispielhaft zehn Überzeugen von beiden Seiten nennen, die aus meiner Sicht schlicht nicht stimmen. Und ganz am Ende möchte ich sogar einen Lichtblick für den Onlinejournalismus aufzeigen.

Fünf Lebenslügen der Digitalen Avantgarde

1. „Die Verlage haben das Internet verschlafen“

Paul Bradshaw behauptet es, Thomas Knüwer behauptet es, Wolfgang Michal behauptet es – es ist das ewige Mantra derjenigen, die sich für schlauer halten als die alte schwerfällig Verlagswelt, die mit dem Internet bis heute nicht warm geworden ist.

Ich will gar nicht bestreiten, dass es Verlage gibt, die das Internet verschlafen haben und vielleicht sogar bis heute noch verschlafen. Nun gibt es aber auch Publikationen im Netz aus der klassischen Verlagswelt, welche die gesamte Bandbreite der im Internet möglichen Formen des Journalismus und ein preisgekröntes Projekt nach dem anderen realisieren. Namentlich möchte ich hier vor allem den britischen Guardian und die New York Times nennen. Die Digitale Avantgarde applaudiert beiden Zeitungen seit Jahren: Tolle datenjournalistische Projekte, Journalismus mit Crowdsourcing-Elementen, exzellente interaktive und multimediale Aufbereitung der Inhalte.

Allein: Wirtschaftlich gesehen ist vor allem der Guardian das reine Desaster. Guardian und Observer, die beiden Zeitungen der Guardian Media Group, schrieben im vergangenen Geschäftsjahr 2010/2011 43,8 Millionen Pfund Verlust (ca. 55 Millionen Euro). Die GQ spekuliert bereits über eine Ende der Zeitung. Im Digitalgeschäft erwirtschaftet der Guardian immerhin 45 Millionen Pfund. Die werden allerdings fast ausschließlich mit Geschäften verdient, die nichts mit Journalismus zu tun haben – ganz ähnlich wie bei der Axel Springer AG hierzulande, einer der wenigen deutschen Verlage, der ein nennenswertes Digitalgeschäft in der Bilanz ausweisen kann.

Der Guardian kann diese wirtschaftliche Amokfahrt nur durchhalten, weil er Teil der reichen Stiftung Scott Trust ist. Die Leitung der Stiftung wäre schon zufrieden damit, wenn der Guardian seine Verluste auf 15 Millionen Pfund im Jahr reduzieren könnte. Das ist ein Glücksfall für den Guardian und die britische Zeitungslandschaft – aber sicher kein zukunftsfähiges Modell für die gesamte globale Zeitungsbranche. Bei der New York Times sieht es wirtschaftlich nicht viel besser aus.

2. „Es gibt funktionierende Geschäftsmodelle für Qualitätsjournalismus im Netz“

Von den Vorkämpfern der Digitalen Avantgarde hört man zwar sehr viel darüber, warum Journalisten unbedingt twittern müssen und was die Verlage und Ewiggestrige alles falsch machen – mit der Finanzierung beschäftigen sich dagegen nur wenige. Thomas Knüwer hat es getan und zählt einige Beispiele auf, in denen Online-Ableger von Zeitungen Gewinne ausweisen. Doch diese sind lächerlich gering und tragen niemals, um die derzeit existierenden Redaktionen in Deutschland in heutiger Größe auch nur halbwegs zu erhalten. Ein Großteil der Journalisten erhält ihr Gehalt heute, weil es das Printgeschäft gibt. Dieses Printgeschäft bringt damit auch die Artikel hervor, die den Wert des Markenkerns der Publikationen prägen, von denen die Online-Ableger profitieren.

100 Millionen Euro nannte der verstorbene Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht im Medienradio 2009 als Größenordnung, die sämtliche journalistischen Online-Portale in Deutschland im Jahr umsetzen. Selbst wenn sich dieser Betrag inzwischen vervierfacht haben sollte reicht er lange noch nicht, um die Schar an Journalisten zu ernähren, die derzeit in Deutschland davon leben.

In Deutschland gibt es derzeit im Grunde nur ein Online-Nachrichtenportal, das wirtschaftlich funktioniert: Spiegel Online. Und Spiegel Online hat sich inzwischen auch eine eigene Marke aufgebaut, die mindestens so stark wahrgenommen wird wie das Printprodukt – in der Generation der Unter-30-Jährigen sogar deutlich stärker.

Dass es funktioniert, liegt daran, dass die bereits vom klassischen Journalismus bekannte Anzeigen-Auflage-Spirale im Internet noch stärker wirkt: Wer die meisten Leser hat, bekommt die meisten Anzeigen und kann so noch stärker in Inhalte investieren, was zu noch mehr Lesern und in der Folge noch mehr Anzeigen führt.

3.“Es gibt keine Krise des Journalismus, sondern der Verlage“

Die These: Nicht der (Qualitäts)journalismus ist vom Untergang bedroht, sondern nur das Geschäftsmodell der Verlage wird durch das Internet in Frage gestellt – so geäußert zuletzt von Wolfgang Münchau in der FTD.

Ist es also so, dass das Geschäft der Verlage durch das Internet einfach nur von gestern ist und der Zwischenhändler stirbt, während sich Journalisten nun direkt an ihre Leserschaft wenden können? Es gibt zwar in den USA erste Anzeichen in diese Richtung wie das Projekt journalistisch Crowdfunding-Projekt Readmatter.com – doch das sind bislang zarte Pflänzchen (hierzu mein Interview mit dem SWR2).

Insbesondere in Deutschland gilt bislang, dass man kommerziell wirklich erfolgreiche Blogger und abseits der Verlag finanzierten Journalismus noch mit der Lupe suchen muss. Die allermeisten Blogger bloggen zum Spaß und können davon nicht leben. Professioneller Journalismus ist mit Blogs derzeit alleine deshalb nicht zu machen, weil einzelne Blogs bislang nicht die Leserreichweite bekommen, die für Werbetreibende interessant ist.

4. „Es mangelt nur an der konsequenten Paid-Content-Stragie – bequem und einfach umgesetzt“

Neben denjenigen in der digitalen Avantgarde, die Bezahlinhalte im Netz aus Prinzip verteufeln, gibt es auch noch diejenigen, die behaupten, die Verlage seien einfach nur zu dumm sie vernünftig zu implementieren. Richtig ist: Viele Verlage könnten es ihren Lesern bei Bezahlinhalten durchaus einfacher machen – wie beispielsweise Dirk Elsner im Blicklog am Beispiel „New Scientist“ sehr schön ausgeführt hat. Richtig ist auch: Die Strategie bei den Bezahlinhalten wurde in den allermeisten Verlagshäusern in der Vergangenheit alles andere als konsequent umgesetzt. Letztlich werden die Online-Chefredakteure doch an den eingefahrenen Klicks gemessen – und so zählt am Ende meist in erster Linie Reichweite. Dadurch landet alles, was potentiell irgendwen interessieren könnte, meist doch wieder vor der Bezahlschranke.

Allerdings hat Paid Content auch noch ein Problem, das wenig beachtet wird: Die Lesegewohnheiten der Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, passen nicht auf das Konzept Tageszeitung. Ich sprach kürzlich mit einem 18-jährigen Schüler. Er sagte: „Ich wäre ja bereit für journalistische Inhalte Geld auszugeben – aber ich lese regelmäßig Nachrichten aus mindestens zehn Quellen.“ Ein einziges dieser Angebote kann gerade unter denen, die journalistische Inhalte schätzen, den Bedarf nicht decken. Die Verlage sollten sich also dringend darüber Gedanken machen, wie sie möglicherweise zusammenarbeiten können, um Paid Content zusammen vermarkten zu können – sodass Leser bei einem Abo Zugriff auf mehr als die Inhalte einer Publikation haben.

Ebenfalls gegen Paid Content spricht insbesondere in Deutschland die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Kunden: Nur neun Prozent der Deutschen geben laut einer Studie im Auftrag der EU-Kommission Geld für Online-Inhalte aus – sei es Musik, Journalismus oder Filme. Das ist ein Negativ-Rekord in der gesamten EU.

5.“Eine konsequente Digitalstrategie wäre die Lösung des Problems – immerhin fallen dann auch die Vertriebskosten weg“

Das Digitale – und zwar das Web, nicht irgendeine App – ist ganz sicher die Zukunft des Journalismus. Das Problem ist in diesem Zusammenhang allerdings die Gegenwart – oder anders gesagt: die Übergangsphase. Derzeit sieht es de facto so aus, dass Print noch immer die Cash Cow ist, die gemolken werden muss – nur, dass sie von Jahr zu Jahr immer weniger Milch gibt.

Online wächst und ist ohne Zweifel der Zukunftsmarkt – allerdings wächst das Digitalgeschäft bei weitem nicht schnell genug, um die geringeren Vertriebs- und Anzeigenerlöse von Print auszugleichen. Konsequenz: Die Verlage klammern sich an das Print-Geschäft. Dadurch werden auch die Kosten nicht niedriger, im Gegenteil: Tageszeitungen sind ein Geschäft mit heftigem Skaleneffekt. Die Kosten werden pro Zeitung umso niedriger, je höher die Auflage und je dichter das Vertriebsnetz ist. Jeder fehlende Print-Abonnent reißt eine klaffende Lücke in die Einnahmenseite, während auf der Ausgabenseite die enorm hohen Kosten für Druck und Vertrieb nahezu konstant bleiben. Diese würden nur bei einem radikalen Schnitt zu einer reinen Online-Strategie wegfallen – und dafür wirft das Printgeschäft noch zu viel Geld ab.

Besonders tragisch ist dieser Spagat zwischen Print-Vergangenheit und digitaler Zukunft für die Frankfurter Rundschau. Weil sie halb Regional- und halb überregionale Tageszeitung ist, ist der Vertrieb der überregionalen Zeitung bei geringer Abonnentendichte im gesamten Bundesgebiet besonders teuer. Die Frage der Zeitung an die Abonnenten, ob sie bereit wären auf eine iPad-Ausgabe umzusteigen, brachte ein sehr ernüchterndes Resultat hervor, so hört man.

Fünf Lebenslügen der Verlage:

1. „Fehlendes Unrechtsbewusstsein haben die Gratis-Kultur des Internets befördert“

Mit dem Aufstieg der Piratenpartei in Deutschland meinte manch einer in der Verlagsbranche, endlich einen greifbaren Feind gefunden zu haben, der für die eigene Misere verantwortlich ist: Das Internet allgemein war es ja sowieso schon immer – aber nun hatte es durch die Piratenpartei auch noch ein Gesicht bekommen. Ein fieser Pirat, der mit einem PC bewaffnet gegen das Urheberrecht kämpft und somit den Verlagen das Geschäft kaputtmachen will.

De facto spielt das illegale Kopieren von journalistischen Inhalten im Netz natürlich keine Rolle. Wozu auch? Spiegel Online und Co bieten ein riesiges Gratis-Angebot an Nachrichten im Netz und sollte irgendwer Informationen hinter einer Paywall verstecken, die extrem brisant und intressant sind, werden sie natürlich schnell von allen Medien aufgegriffen und zitiert. Wer das beenden wollte, müsste schon in die Informationsfreiheit eingreifen.

2. „Die Verlage setzen online auf Qualitätsinhalte“

Keine Konferenz zur Zukunft des Journalismus kommt ohne die gebetsmühlenartige Wiederholung aus, es ginge den Verlagen um Qualitätsinhalte – auch online. Ich muss an dieser Stelle nicht wieder die Klickstrecke „333 Fakten über Sex“ auf Welt Online zitieren, um den Gegenbeweis anzutreten – jeder, der Online-Nachrichten täglich nutzt, wird wissen, das Qualität bei vielen Angeboten offenbar nicht allerhöchste Priorität besitzt.

Das wird auch häufig vergessen, wenn auf die Erfolge von Paid-Content in den USA beispielsweise beim Wall Street Journal verwiesen wird. Deren Online-Ausgabe unterscheidet sich qualitativ eben nicht von Print. Sinnlose Klickstrecken sucht man auf amerikanischen Seiten wie dem WSJ oder der New York Times vergeblich.

3. „Google verdient mit Verlagsinhalten Geld“

Google News ist ein nettes Zusatzangebot für Google-Nutzer, mit denen Google aber kein Geld verdient. Google verdient Geld mit zielgerichtete Werbung – Anzeigen werden direkt beim Nutzer kontextabhängig danach eingeblendet, wonach dieser gerade sucht. Verlage könnten hier durchaus zum Anlass nehmen und sich hier etwas von Google abschauen, denn die Nutzer suchen auch auf Verlagsseiten nach Inhalten.

Die Nutzer würden wohl auch dann noch überwiegend Google nutzen, wenn dort ab morgen keine einzige Verlagsseite mehr zu finden wäre. Letztlich ist Google für die Verlage also wichtiger als umgekehrt. Immerhin erlaubt Google ihnen auch per Robots.txt bei Google vertreten zu sein oder nicht. Sämtliche Missverständnisse rund um die Forderung der Presseverleger nach einem eigenen Leistungsschutzrecht habe ich kürzlich für WSJ.de aufgearbeitet.

4. „Digitalinhalte mit Layout im Tablet-Format sind eine Alternative zum Gratis-Web“

Beten und Steve Jobs danken“ lautete das gerne zitierte Motto von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner nach der Präsentation von Apple iPad. Der heilige Gral, die Rettung vor dem Gratis-Internet, war gefunden – so glaubte er anscheinend. Das Rezept gegen den Niedergang: Apps im Zeitungsformat, klassisch layoutet, geschlossen und abgeschlossen – mit einem Anfang und einem Ende. Und vor allem: das alles sollte es nur gegen Geld geben. Eine App auf dem sexy Gerät des Apple-Konzern – endlich war der moderne Anstrich gefunden, mit dem die Verlage leben konnten.

Nur sind Apps für Web-verwöhnte keine echte Alternative – höchstens für bestimmte Inhalte wie lange Magazingeschichten, die zurückgelehnt auf der Couch gelesen werden. Nachrichten in Apps lassen sich nicht verlinken, nicht twittern, nicht bei Facebook oder in einem privaten Forum teilen – für mich und viele andere, die mit dem Web groß geworden sind, ist das ein klares K.O.-Kriterium für den Nachrichtenkonsum.

App-Inhalte haben außerdem das Problem, dass sie durch ihre Abgeschlossenheit keine Leser finden, die von ihrer Existenz noch nichts wissen. Allein die Anfangsinvestitionen der inzwischen eingestellten Murdoch-Zeitung „The Daily“ sollen 30 Millionen Dollar betragen haben. Die Zeitung wird sang- und klanglos verschwinden, ohne Spuren im Web zu hinterlassen. Vielleicht bot die App ja großartige Inhalte – ich weiß es schlicht nicht, denn sie haben mich via Twitter, Facebook oder den Foren, in denen ich aktiv bin, niemals erreicht.

Döpfner hat sich still und heimlich auch längst von der Tablet-Strategie verabschiedet: War Bild.de mit dem Start der kostenpflichtigen Bild-App lange von iPad und iPhone aus nicht aufrufbar, ist die Seite inzwischen wieder frei.

5. „Das Hauptproblem ist die Gratis-Kultur im Netz“

Das Hauptproblem des Journalismus im Netz ist, wie lächerlich wenig Anzeigenkunden für Online-Werbung bezahlen. Dieser sogenannte  Tausender-Kontakt-Preis (TKP) beträgt online nur einen Bruchteil von dem, was im Printjournalismus gezahlt wird. Würden hier vergleichbare Preise wie in Print bezahlt, wäre das angesichts der enorm höheren Reichweite, die journalistische Marken in der Regel online erzielen, schon die halbe Miete.

Rabatte von 90 Prozent auf den Listenpreis sind im Online-Journalismus die Regel. Dabei erhalten die Werbetreibenden hier im Grunde eine viel härtere Währung als im Print: Sie können tatsächlich messen, wie viele Leser (oder zumindest IP-Adressen, was nicht ganz dasselbe ist) eine Werbung gesehen haben, wie lange sie sie gesehen haben, ob sie geklickt haben usw. Keine geschönte Auflage dank Bordexemplaren, keine zurechtgebogene Reichweite, weil ein Exemplar eines Printprodukts angeblich durch vier Hände geht. Bei einer Printanzeige kann sich kein Werbetreibender sicher sein, dass die Anzeige von einem der angeblichen Leser überhaupt gesehen wird – immerhin könnte er die entsprechende Seite auch überblättern.

Was also ist das Problem? Natürlich hat das niedrige Niveau der Online-Anzeigenpreise mehrere Faktoren: Da wäre die größere Konkurrenz durch alternative Werbeflächen wie Google und Facebook sowie dank Google AdSense sogar private Websites. Vielleicht spielt eine Rolle, dass normalerweise Menschen aus der Generation 50+ über die großen Werbebudgets entscheiden – und für ihre Lebenswelt immer noch Print die erste Geige spielt. Nicht zuletzt glaube ich aber, tragen auch die Verlage selbst eine Mitschuld an der Misere: Ich selbst habe schon mitbekommen, wie verlagseigene Vermarkter Print als das Hochglanz-Premium-Produkt angepriesen haben, während Onlinewerbung eher als Rudis Resterampe verkloppt wird. Das mag nicht zuletzt auch an den niedrigeren journalistischen Qualitätsstandards liegen, die online gelten – und zwar ebenfalls als Resultat der Verlagspolitik.

In Online-Werbung liegt noch ein großes Potential, wenn sie nur gut und nicht nervig umgesetzt wird. So praktisch beispielsweise Google für den Online-Direktvertrieb von Produkten auch sein mag – für die Markenbildung werden Werbetreibenden um Online-Inhalte auf absehbare nicht herumkommen – insbesondere, wenn auch das Fernsehen noch weiter Reichweite verliert.

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66 Kommentare zu “Die Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Verlage

  1. Zwei Anmerkungen:

    1. Eine „App“ ist Nazi-Dreck, weil sie die Installation fremder Software erzwingt. Das ist ein höchstgradiger Verstoß gegen jede Sicherheitsregel.

    2. „Online-Werbung…, wenn sie nur gut und nicht nervig umgesetzt wird.“ Wieviele Vollidioten im Layout kleistern den Bildschirm mit überdeckenden FESTSTEHENDEN Blöcken ÜBER DEM TEXT zu? Und zwar bei „Qualitätsverlagen“…

    Die WOLLEN es nicht lernen. Man kann es denen sagen, immer und immer wieder, aber die WOLLEN NICHT LERNEN.

    Widerwärtigkeit und Ekelpotential der Layouter spotten jeder Beschreibung. Und die Arroganz der Verlagsleitungen auch.

  2. aribertdeckers sagt:

    Zwei Anmerkungen:

    1. Eine „App“ ist Nazi-Dreck, weil sie die Installation fremder Software erzwingt. Das ist ein höchstgradiger Verstoß gegen jede Sicherheitsregel.

    2. „Online-Werbung…, wenn sie nur gut und nicht nervig umgesetzt wird.“ Wieviele Vollidioten im Layout kleistern den Bildschirm mit überdeckenden FESTSTEHENDEN Blöcken ÜBER DEM TEXT zu? Und zwar bei „Qualitätsverlagen“…

    Die WOLLEN es nicht lernen. Man kann es denen sagen, immer und immer wieder, aber die WOLLEN NICHT LERNEN.

    Widerwärtigkeit und Ekelpotential der Layouter spotten jeder Beschreibung. Und die Arroganz der Verlagsleitungen auch.

    http://aribertdeckers.wordpress.com/

    PS:
    WordPress ist unsäglich. Zuerst vernichtet WordPress meinen Kommentar, indem es mich zur Anmeldung mit einem WordPress-Account zwingt und dabei meinen fertig editierten Text löscht.
    DANN meldet es rotzfrech „aribertdeckers: Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. ( Abmelden / Ändern )“

    Wie dumm darf eine Firma eigentich sein?

    • Online-Vollchecker sagt:

      Wie drückt sich aribert wohl aus, wenn er mal richtige Probleme hat?

    • dot tilde dot sagt:

      die installation proprietärer software mag zwar eine weit verbreitete gewohnheit sein, mit der industriellen tötung von millionen von menschen und einem wahngleich geführten angriffskrieg lässt sich das abseits von schnapsstammtisch oder comedy slam kaum vergleichen.

      a propos dumm: diesen kommentar habe ich geschrieben, ohne dass mich irgend eine firma dazu gezwungen hat, mich anzumelden oder irgendwas noch mal zu schreiben, so wie sie das offensichtlich gemacht haben. (ich habe mir die freiheit genommen, ihren kommentar nur einmal zu lesen).

      aber das ist das schöne an einer freiheitlichen gesellschaft: ein maß an dummheit ist (eigentich) nicht vorgeschrieben.

      .~.

  3. […] 1. “Die Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Verlage” (onlinejournalismusblog.com, Stephan Dörner) Stephan Dörner zählt je fünf Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Printverlage auf. […]

  4. Bernd sagt:

    Das Problem ist doch, dass es ein massives Ueberangebot an Journalismus fuer einen zu kleinen Werbekuchen gibt. Wenn 90% der Zeitungen tot sind, dann wird der Kuchen auch wieder fuer alle reichen.

  5. Michael sagt:

    Exzellentes Stück, aber einen wesentlichen Punkt zu folgendem Argument will ich anfügen:

    „Ich selbst habe schon mitbekommen, wie verlagseigene Vermarkter Print als das Hochglanz-Premium-Produkt angepriesen haben, während Onlinewerbung eher als Rudis Resterampe verkloppt wird. Das mag nicht zuletzt auch an den niedrigeren journalistischen Qualitätsstandards liegen, die online gelten – und zwar ebenfalls als Resultat der Verlagspolitik.“

    Vermutlich zeigt Online-Journalismus den Verlagen, dass das breite Publikum hohe journalistische Standards nicht goutiert. Um viele Menschen zu erreichen, muss wohl an manchen Stellen das Niveau gesenkt werden. Das ist nicht meine Meinung, aber so interpretiere ich, was ich online geboten bekomme. Interessant dabei auch die Analyse, welche Rubriken bei SpOn am beliebtesten sind. Mit einem Print-Produkt erfährt er Verlag nichts von diesen Vorlieben und kann seine Wünsche nach hoher Qualität nach eigenen Vorstellungen umsetzen.

    • Charles sagt:

      Muito bom Beto. Sem vocea jamais teoaimrs estes momentos registrados. Espero que a ABES tenha como armazenar este acervo para no futuro relembramos o nosso passado. As coisas boas que estamos fazendo Uma abrae7o, Vitorio.

  6. Alex sagt:

    Ignoriert leider unter anderem das Problem, das viele Journalisten Online nicht nur nicht können, sondern nicht können wollen. Dass der Online-Journalist letztlich neben der Schreibe noch andere Qualitäten (oder: wohl auch in erster Linie) besitzen muss, ist eines der Kernprobleme, warum es wenige wirklich so überzeugende Auftritte gibt, dass sich darauf mittelfrisitg ein Paid-Content-System aufbauen ließe. Kreative Ausgestaltungen und innovative Formate scheitern eben häufig nicht am Budget, sondern an mangelnder Vorstellungskraft. Die gern zitierte Abgrenzung zum Content Manager gibt es letztlich nicht. Vernachlässigt wird beim Werbemarkt, dass es klare Preisunterschiede bei den Zielgruppen gibt. Und von meiner Warte aus die potenzielle Ausgestaltung, dass „Internet-Verlage“ in Form eines Portalwächters durchaus einen Zukunftsmarkt besitzen. Das Problem mit der Social-Media-Einbindung in Apps sehe ich auch, empfinde es aber als übergewichtet. Ich werde öfter mit „ich habe da eine Geschichte in der Zeit“ konfrontiert als Shares und Likes auf Facebook. Es ist sicher ein wachsendes Problem, aber derzeit ist die Leserschaft meiner Auffassung nach noch überwiegend Print sozialisiert. Und dort ließ sich ja auch nie ein Knöpfchen drücken. Gewünscht hätte ich mir noch etwas mehr zur Exklusivität von Inhalten, getreu dem Motto „News bekomme ich schon umsonst“, denn das wird sich nicht ändern. Muss es auch nicht, denn ich lese seit rund 20 Jahren begeistert den Teletext. Nachrichten wird es immer geben und es wird immer jemanden geben, der sie liest und in irgendeiner Form dafür bezahlt. Dafür funktionieren ausgerechnet die Inhalte gut, die nicht jeder hat – dass das derzeit ausgerechnet Beiträge aus Reise, Lifestyle und Kochen sind, ist natürlich für den durchschnittlichen Journalisten eine Erkenntnis, aus der er nicht viel nutzen ziehen kann.

  7. […] die Verlage hätten das Internet verschlafen. Ich glaube, dass beide Seiten falsch liegen. Aus: Online-Journalismus-Blog 2. Politik und Medien a. Gustl for Help! Nun – nach einem ganzen Jahr intensiver […]

  8. In einigen Punkten wirst Du mir zu unkonkret. Du sprichst von einer „lächerlich geringen“ Zahl von Nachrichtenseiten, die profitabel arbeiten. Mal abgesehen von der (aus meiner Sicht) Lebenslüge der Profit-Center-Führung, lässt sich das auch andersherum so sehen. Die Zahl der Angebote, von denen wir wissen, dass sie defizitär sind, ist nicht sonderlich höher – denn die Zahlen werden nicht veröffentlicht.

    Es zeigt sich aber: Man kann profitabel arbeiten. Nicht Spiegel Online ist dabei für mich das Überraschende, sondern RP Online.

    Und natürlich kapieren viele Verlage nicht, was da in Digitalien so vor sich geht. Nimm nur die Redaktion, für die Du früher gearbeitet hast und ihre iPad-App „First“ – das offensichtlichste Beispiel für Nicht-Verstehen (und natürlich wirtschaftlich knallend vor der Wand gelandet).

    Die gleiche Zahlenspielerei lässt sich auch auf Blogs übertragen. Du musst wirtschaftlich erfolgreiche mit der Lupe suchen? Ich nicht. Aber ich muss wirtschaftlich nicht erfolgreiche auch mit der Lupe suchen. Aus der Betrachtung herausfallen müssen aber all jene, denen es egal ist, ob sie mit dem, was sie schreiben Geld machen – denn sie versuchen es ja nicht einmal.

    • Dass so wenig „wirtschaftlich erfolgreiche“ Websites von den werten Kollegen Medienjournalisten gefunden werden liegt vielleicht auch daran, dass sie gar nicht erst danach suchen. Sondern sich lieber immer mit dem gleichen Dutzend Verdächtigen befassen, die sie meist schon aus der Printwelt kennen. Oder die – gerade ganz groß in Mode – von Bloggern gemacht werden. Es gibt daneben sehr wohl journalistische Webseiten zu spezialisierten Themengebieten, die zwar keine Reichtümer abwerfen, aber ihren „Machern“ ein leidliches Auskommen verschaffen.

      Beispiel? Beispiel: Nachdem 2003 ein großer Verlag sein Online-Automagazin über Bord kippte, machten sich ein paar wenige der gefeuerten Journalisten daran, ein eigenes Automagazin online zu entwickeln. alle-autos-in.de ist seit Sommer 2004 online und kommt – trotz des zugegeben sperrigen Namens – mittlerweile auf monatlich 350.000 bis 450.000 Visits. IVW gezählt. Refinanziert wird über Werbung, meist per Banner. Und die Zahlen sind schon seit Jahren schwarz. Es geht also sehr wohl.

      Und es ginge noch besser, wenn die Verlage, wie beschrieben, die Online Werbepreise nicht so versaut hätten. Dabei ist der geschrumpfte TKP noch das geringste Problem. Ärgerlicher ist, dass Click-, Sales- oder Lead-Bezahlungen so heftig vorwärts drängen. Als ob z.B. der gedruckte Stern eine Doppelseite nur danach bezahlt bekäme, wie viele Leser den Coupon ausschneiden und zurück schicken.

    • Merkwürdig, dass der Autor die Entwicklung der Huffington Post mit keinem Wort erwähnt – ein perfektes Beispiel für ein Blog, das sich finanziell gemausert hat.

      Was der Einwand zu Paid Content (der 18-jährige Schüler, der Informationen aus 10 Quellen bezieht) betrifft: Hier müsste es halt Micropayment-Möglichkeiten geben, so dass der Nutzer für jeden einzelnen Artikel ein paar Cent bezahlt. Ich stimme dem Autor zu, eine Art Abo für ein Online-Medium – so wie man früher eine Tageszeitung abonnierte -, das funktioniert im Netz ganz sicher nicht.

  9. cartawolf sagt:

    Zufälligerweise war ich dabei, als die Verlage das Internet verschlafen haben. Es war MItte der 90er, ich arbeitete in einem großen Presseverlag, und das Internet war den Verlagsleuten total fremd. Den Redakteuren wurde anfangs der Internet-Anschluss verweigert: zu teuer, hält nur vom Arbeiten ab. Man musste zum Chef vom Dienst gehen, wenn man mal ins Internet wollte. Nur SpiegelOnline hat das Internet damals nicht verschlafen.

  10. cartawolf sagt:

    Da ich angesprochen bin: Zufälligerweise war ich dabei, als die Verlage das Internet verschliefen. Es war MItte der 90er, ich arbeitete in einem großen Presseverlag, und das Internet war den Verlagsleuten total fremd. Den Redakteuren wurde anfangs der Internet-Anschluss verweigert: zu teuer, hält nur vom Arbeiten ab. Man musste zum Chef vom Dienst gehen, wenn man mal ins Internet wollte.
    Nur SpiegelOnline hat das Internet damals nicht verschlafen.
    Wolfgang Michal

  11. ThorstenV sagt:

    Es ist richtig, dass die weisen Ratschläge der Netzadepten an die Verlage sich immer lesen wie: Ihr müsst ja nur so und so, dann kann es mit euch weiter gehen. Wenn man das „weitergehen“ als „weitergehen wie bisher“ versteht, dürfte das aber falsch sein. Richtiger dürfte sein: Dann geht es überhaupgt noch irgendwie weiter, wenigsten in stark reduzierter Form.

    Das Internet ist auch und insb. für Verlage ein Teil der technischen Produktivitätssteigerungsmaschinerie, z.B. hat jede Zeitung, die Online geht plötzlich eine Verbreitungsgebiet von weltweit, da ist mit dem Geschäftsmodell: Wir bringen den Leuten hier in Kleinkleckersdorf die großen Weltnachrichten nichts mehr zu stemmen. Das fällt einfach weg, ganz egal wie digital und hip man ist. Die FTD ist da nicht anders zu sehen als Opel und Schlecker. Weder das Ende des Journalismus noch des Autobaus oder der Drogeriemärkte steht an. Die Journalisten sind nur eine der ersten der akademischen Schichten, die zu spüren bekommen, was bisher nur das Proletariat betraf: Die Bedrohung des Lebensunterhalts aus Verkauf der eigenen Arbeitskraft durch die billigere Arbeitskraft der Maschinen.

  12. Oliver sagt:

    Ein Punkt fällt auch in dieser Betrachtung völlig unter den Tisch: der Machterhalt der Verlage bzw. deren Bestreben nach Meinungsbildung.
    Eine neutrale und unabhängige Presse hat es noch nie gegeben. Manche Verlage haben keinen bis geringen Einfluss, andere hingegen bilden die dritte Macht im Staate. Siehe Axel-Springer.
    Ein Leistungsschutzrecht soll für solche Verlage nicht nur eine gesetzlich garantierte Subvention sein sondern auch dem Machterhalt dienen.

  13. mimbeldrohn sagt:

    „Ich will jetzt mal zur Auflage etwas sagen. Da ist ganz bemerkenswert, dass Sie den Zeitraum ab 1990/91 genannt haben, und wenn Sie sich schon die ersten Jahre dieses Zeitraumes, also die erste Hälfte der 90er anschauen, dann werden Sie feststellen, dass bevor das Internet eine nennenswerte Bedeutung erlangte schon ein Rückgang der Tageszeitungsauflagen, gar nicht im Durchschnitt so viel weniger als in den letzten Jahren, stattgefunden hat.“
    Dies hat Heinrich Heinen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und Herausgeber der „Kölnischen Rundschau“, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk gesagt. Nachzulesen unter http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/1929668/
    Gleich die zweite Antwort.

  14. egghat sagt:

    Natürlich stockt die Diskussion auch, weil sich alle immer nur die gleichen Argumente an den Kopf werfen. Daher gut, die Argumente beider Seiten mal etwas zu entkräften.

    Ein paar Sachen sehe ich aber nicht als Lüge …

    Zum Beispiel dass Online Werbung verramscht wird. Es werden Werbeplätze gefüllt, die Kosten dafür sind nahezu null. Die Konkurrenz mit automatisch bzw. durch den User erstellten Content (z.B. Facebook) errreicht die Kunden halt auch. Online ist also nicht vorrangig zu billig, sondern Print zu teuer (deshalb hatten FTD und haben Börse Online auch nur maximal 2 Seiten Werbung pro Ausgabe). Erwarte online kein Preispotenzial nach oben. Früher gab es für Print-artige nur einen Weg zum Kunden (die Tageszeitung); dieses Monopol ist weg, das geht auch im Netz.

    Das kann man alles auch schön bei der NYT sehen. 500.000 Digital-Abonnenten. Deutlich steigender Anteil der Verkaufserlöse (früher zwei Drittel Werbung/ein Drittel Verkauf, bald umgekehrt).

    Wer erfolgreich eine Paywall hochfährt, ist IMHO gut beraten, die Werbeausspielung massiv einzuschränken. Nur wer gut zahlt, bekommt noch Werbung zu sehen. Das ist ein tolles Verkaufsargument: Zahl, und es gibt keine Werbung mehr. Wobei „keine“ wahrscheinlich etwas übertrieben ist.

  15. Das Problem ist nicht der »Journalismus«, sondern das Geschäftsmodell des Verlegers, das momentan (aus inzwischen historischen Gründen) mit dem Journalismus verflochten ist.

    Früher hat der Verleger die Leistung vollbracht, Kopien von Werken anzufertigen. Wer einmal die monströsen Dimensionen gesehen hat, in denen Zeitungen und Zeitschriften auf Papier produziert werden (nur, um kurze Zeit später zum Altpapier gegeben zu werden), versteht sofort, worin die Leistung besteht.

    Digitale Daten haben eine Eigenschaft, die in allen diesen Diskussionen immer wieder vergessen wird: Sie sind einfach und verlustfrei kopierbar. Dass dieser Kommentar hier erscheint, um anschließend in möglicherweise tausenden Browsern und RSS-Readern gelesen werden zu können, ist einer der Anwendungsfälle dieser typisch digitalen Eigenschaft. Gerätschaften zur Anfertigung von Kopien sind keine großtechnischen Anlangen mehr, deren Betrieb aufwändig und teuer ist, sondern preiswerte und jedem Menschen zugängliche Geräte.

    Der Verleger kommt in dieser Entwicklung schlicht nicht mehr vor. Seine Dienstleistung wird nicht benötigt, um Kopien zu erstellen. Selbst Server (ich meine die Software) und umfangreiche Anwendungen, die ihre Funktion für Anwender verfügbar machen (zum Beispiel das Blogsystem WordPress) stehen unter Freien Lizenzen kostenlos zur Verfügung. Das gesamte Internet ist eine riesige Kopiermaschine, und sonst nichts. (Und nichtkopierbare digitale Daten werden auf diesem Hintergrund als minderwertig und defekt empfunden.) Das Geschäft des Verlegers war ein Geschäft mit angefertigten Kopien, und es war nur so lange ein Geschäft, wie diese Kopien aufwändig zu erstellen und daher knapp und teuer waren — heute gibt es keinen Markt für Kopien mehr.

    Das Gewerbe des Verlegers ist tot.

    Wenn Journalisten den Journalismus nicht unabhängig vom Gewerbe des Verlegers denken und praktizieren können, dann folgt das Gewerbe des Journalismus sicher dem Gewerbe des Verlegers ins Grab. Ob es eine andere Möglichkeit gibt, weiß ich auch nicht, da gibt es zu viele gesellschaftliche Unwägbarkeiten. (Werden Menschen bereit sein, für die Tätigkeit eines Menschen zu bezahlen, wenn sie diese wertschätzen? Oder werden sie diese Leistung einfach mitnehmen, ohne an den Menschen zu denken, der sie erbringt? Meine Erfahrung lehrt mich, dass zurzeit die meisten meiner Zeitgenossen nur von der Tapete bis zur Wand denken. Auch das muss aber nicht so bleiben, und es ist übrigens auch der Inhalteauswahl der Verleger geschuldet, dass Zusammenhänge nicht aufgeschlossen werden und so das längerfristige Denken geschult wird.) Aber ich weiß sicher, dass Journalismus, der sich nicht unabhängig von einer mittlerweile obsoleten Industrie denken kann, bereits jetzt tot ist.

    Da helfen auch keine Nonsens-Gesetze und versuchten Technikverhinderungen.

    • Rolf Mueller sagt:

      Genau so ist es.

      Und mein Mitgefühl hält sich in Grenzen. Wo waren die Verlage denn, als die Discounter Branche um Branche den Einzelhandel zerstörten und Millionen Arbeitsplätze vernichteten? Die Verlage hielten vielleicht auch deshalb die Klappe, weil sie sich von den Discountern mehr Anzeigen versprachen als von mittelständischen Einzelhändlern.

      Und wo waren die Verleger, als die Privatisierungswut erneut Millionen von Arbeitsplätzen vernichtete und dazu führte, dass heute weite Teile des Arbeitnehmer nicht einmal mehr von ihrem Einkommen leben können?

      Nur unter Mithilfe der Verlage konnte diese flächendeckende Lohndrückerei durchgesetzt werden, die natürlich auf der anderen Seite dazu führte, dass die Verbraucher nur noch billig kaufen konnten, dass Geiz geil sein musste.

      Inzwischen sind die Leute auch zu geizig, für die fast schon mittelalterliche Methode der Informationsverbreitung über Verlage zu bezahlen. Die Kostenloskultur im Netz ist für viele Menschen der einzige Weg, überhaupt am Leben teilhaben zu können, weil ihr Einkommen nur noch für die Grundbedürfnisse reicht.

  16. Nunja, wir bei iBusiness.de verdienen seit 15 Jahren Geld im Internet. Mit Inhalten. Tatsächlich geht es nicht um „verschlafen“, sondern darum, dass das Internet gegenüber den Verlagen ein disruptives Geschäftsmodell ist. Bestimmte Dinge kann ich im Web schlicht nicht verkaufen. Nachrichten zum Beispiel. Paid Content ist ein Nischenmarkt. Paid Services hingegen nicht.

    Und jetzt mache ich mal was, was auch in unserem Paid-Service-System funktioniert. Ich verschenke hier einen eigentlich kostenpflichtigen Link:
    http://www.ibusiness.de/aktuell/db/881810jg.html?showkey=7d8a35a82ec4b0041027cbcbddad92c2

    Zum Thema „Google und Verleger: Taliban. Idioten. Gierschlünde.“

    Man sehe: Geht doch (und sogar in dieselbe Richtung)

  17. […] hier keine einfache Lösung zu finden ist, zeigt der wunderbare Artikel “Die Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Verlage” von Stephan Dörner deutlich. Im Netz ist man nicht festgelegt, woher man sich seine […]

  18. Rüdiger Lunten sagt:

    Lächerlich. Was soll die Gegenüberstellung dieser je 5 Punkte denn nun schlussendlich suggerieren? Genau. Pfui!
    Denn die Qualität der „Lügen“ auf Seite der Digitalen ist eine völlig andere, hierbei von Lügen zu sprechen ist schon ziemlich lächerlich.

  19. Eine wichtige Falschvermutung (Lebenslüge klingt so hart) von Journalisten: die Leute haben die Zeitung nicht wegen der gut recherchierten Artikel gekauft, sondern wegen des Kinoprogramms, der Wetterkarte etc. Bei der taz dann zum Beispiel wegen des Gefühls, etwas Gutes zu tun. Wir Journalisten hätten das natürlich gerne, dass die Leute die Zeitungen wegen unserer Artikel kaufen. Wahrscheinlich sind aber die guten Artikel eher ein Abfallprodukt.

    Wenn also die ganze Zeit darüber geprochen wird, wie es der gute Content vom analogen ins digitale Zeitalter schafft, muss man wohl noch eine Ecke weiterdenken als Paywall.

    (Mit Anzeigen bzw. dem ganzen kapitalistischen Werbekram kenne ich mich leider nicht aus, vielleicht gibt es da bald den Durchbruch mit irgendwelchem Hardcore-targeted-Kram oder so. Aber wie gesagt, ich kenne mich da nicht aus.)

    Wenn man sich überlegt, was die Wetterkarte und das Kinoprogramm des digitalen Zeitalters ist, sprich, das, was die Leute für ihr tägliches Leben brauchen – und damit noch das „Abfallprodukt“ Journalismus finanzieren – vielleicht fällt irgendwem dann was ein, wie es in Zukunft guten Journalismus und kreative Schreiberei geben kann. Ich hoffe es, denn ich mag meinen Beruf eigentlich.

    Aber vielleicht müssen wir, die wir gerne als Journalisten arbeiten möchten, uns eben doch alle crowdsourcen oder wie die Schreibmaschinen zu Hungerlöhnen arbeiten und uns dann noch mit unseriösen Jobs querfinanzieren. Keine schöne Aussicht.

  20. hackingjournalismus sagt:

    Ein Punkt zur Refinanzierung von Journalismus.
    Prä-digital trugen Anzeigen in den Bereichen Immobilien, Dating und Jobs zwischen 15-25% zur Refinanzierung von Printjournalismus bei.
    Auch heute verdient z.B. Springer einen dreistelligen Millionenbetrag mit ihren Plattformen für Immobilien, Dating und Jobs. Nur wird dieses Geld nicht mehr zur Refinanzierung des bereits immer defizitären Journalismus eingesetzt. Wenn also frühere Einnahmen in Print mit dem digitalen Geschäft verglichen werden sollen, darf man diese großen Beträge nicht einfach rausrechnen, nur weil Springer, Burda und Konsorten diese Gewinne in digitalen Tochterfirmen verschieben.
    Ein wenig mehr sollte man also hinter die Kulissen des Geschreis der Verlage (gerade von Springer) schauen. Wer Gelder, die früher zur Finanzierung des Machtmediums einer eigenen Zeitung eingesetzt wurden, nicht mehr dafür verwendet und gleichzeitig ein Riesen-Lügengebrüll rund um das zu kontrollierende freie Web macht, der hat vielleicht eine ganz andere Agenda.
    Bei der ganzen Thematik wird zuviel über Geld und zu wenig über die Macht geredet, die mit der Kontrolle der Informationsgates einhergeht.

  21. […] Seit der Insolvenz von Frankfurter Rundschau und dem Aus der FTD überschlagen sich wieder einmal die Analytiker. Die eine einen, wie Werner … Weiterlesen.  […]

  22. “ Ein fieser Pirat, der mit einem PC bewaffnet gegen das Urheberrecht kämpft und somit den Verlagen das Geschäft kaputtmachen will.“ Dem möchte ich als Verleger und Pirat mal wiedersprechen 😉 Ansonsten gibt der Artikel einen schönen Überblick 🙂

    Gruß, Enno Lenze

  23. matthiasbreitinger sagt:

    Merkwürdig, dass Sie bei Ihrem Punkt „Finanzierung von Online-Journalismus“ die Entwicklung der Huffington Post mit keinem Wort erwähnen, Herr Dörner – ein Beispiel für ein Blog, das sich finanziell gemausert hat.

    Was der Einwand zu Paid Content (der 18-jährige Schüler, der Informationen aus 10 Quellen bezieht) betrifft: Hier müsste es halt Micropayment-Möglichkeiten geben, so dass der Nutzer für jeden einzelnen Artikel ein paar Cent bezahlt. Ich stimme Ihnen aber zu, eine Art Abo für ein Online-Medium – so wie man früher eine Tageszeitung abonnierte -, das funktioniert im Netz sicher nicht.

  24. […] Chef Jürgen Wolff ist die Seite seit Jahren profitabel mit 350.000 bis 450.000 Visits im Monat. Er schreibt: “Und es ginge noch besser, wenn die Verlage, wie beschrieben, die Online Werbepreise nicht […]

    • Das ist eine Milchmädchenrechnung. Selbst Web-Sites mit 20.000 bis 50.000 Web-Pages kommen auf vielleicht 20.000 Visits im Monat – und selbst die sind von „rund um den Globus“, also für die Werbung machenden Firmen überhaupt nicht interessant.

      Wieviele Web-Sites gibt es, wo sich JEDEN MONAT 500.000 Besucher die Nase plattdrücken? WIEVIELE!?

      • jwolff23 sagt:

        Natürlich geht es. Bei alle-autos-in.de steckt auch kein Verlag dahinter, es gibt keinen klassischen Vertrieb, die Bannervermarktung geht über einen externen Dienstleister. Und es ist halt genug Wissen da, um SEO selbst zu machen. Und vor allem: Das Angebot ist offensichtlich gut und interessant genug. Dann kommen halt auch monatlich 350.000+ Visits zusammen.

    • aribertdeckers sagt:

      „Doppelter Kommentar wurde entdeckt. Es sieht stark danach aus, dass du das schon einmal gesagt hast!“

      Nur ist er nicht sitchtbar.
      Das Skript hat einen Hirnschaden.
      Des Programmierers.

      • aribertdeckers sagt:

        Nun ist der 2. Kommentar sichtbar, aber der 1. immer noch nicht. Herrlich, herrlich.

        In der Stuttgarter Firma ging einer der Obersten sehr penibel mit seinem Terminkalender um: Er trug immer alles fein säuberlich in sein PAPIERTagebuch ein. Dem zentralen (Groß)computer vertraute er nicht. Zu recht.

      • dot tilde dot sagt:

        ach, herr deckers. nur weil ein kommentar nicht sitchtbar ist, muss doch die programmiererin noch lange nicht ihr handwerk verraten.

        was für ein fehler könnte das sein? ist das serverseitig, oder verschluckt sich ihr browser an irgendwas clientseitigem? vielleicht pebcak?

        .~.

  25. Peter Eich sagt:

    „Das Hauptproblem des Journalismus im Netz ist, wie lächerlich wenig Anzeigenkunden für Online-Werbung bezahlen.“

    Nein, umgekehrt!

    Erst das Web mit der weitreichenden Messbarkeit von Werbeerfolgen hat gezeigt, wo der angemessene Preis für Werbung liegt. Und damit hat das Web aufgedeckt, dass die Medien alle Werbenden jahrzehntelang über den Tisch gezogen hatten. Dass nun die durch diese Lüge entstandenen Branche implodiert ist weder schlimm noch traurig, sondern schlicht angemessen.

  26. Insgesamt eine interessante Betrachtungsweise. Beim drittem Punkt „Blogs“ muss ich allerdings kur einhaken. Es gibt durchaus einige Blogbetreiber die daraus ein Geschäft gemacht haben. Im Technikbereich gibt es da zum Beispiel einige, wie Androidnext, Mobilegeeks oder Mobiflip. Auch in anderen Bereichen finden sich Blogger mit überraschend guten Einnahmen. Nehmen wir Peer Wandiger mit selbstaendig-im-netz.de.

    Natürlich gibt es auch Themen die sich in Deutschland in Blogform bisher weniger gut vermarkten lassen. Aber für manche Information ist vielleicht auch die „Online-Zeitung“ auch künftig besser geeignet.

  27. Safari Müller sagt:

    In Frankreich wird die Printpresse staatlich finanziert und ist deswegen handzahm und langweilig trotz vielfalt.
    Der französische Verlag Mediapart hingegen ist profitabel und nicht staatlich gefördert.
    Laut Verlagsleitung liegt das an nur einem Geheimnis: Inhalte zu produzieren die auch interessant sind.

    In diesem Ihrem Blogeintrag steht nichts neues, bei Spiegel Online steht nichts neues, die FTD schreibt nichts was Menschen interessiert.
    Die Medienlangschaft breinigt sich selbst und lässt Dinosaurier wie Springer endlich verschwinden.

  28. ths sagt:

    Ich wollte die FR mit dem Android-Tablet lesen.
    Schon im Play Store steht als Warnung: „es wurden Probleme mit dem Nexus7 gemeldet“.
    Angeblich kann ich Probe-Ausgaben kostenlos herunterladen.
    Ich hab’s in der App nicht gefunden.
    Auf Nachfrage (was kaum ein Interessent machen dürfte) kam eine Mail, ich könnte ein kostenloses 14-Tage-Probeabo bekommen.

    Wie soll ich den Anbieter ernst nehmen, wenn die Benutzererfahrung so schlecht ist?
    Ich würde die FR gern abonnieren, hatte sogar eine Tante, die dort lange Zeit gearbeitet hat. Aber wenn es so kompliziert und umständlich ist …

  29. […] In der Online-Werbung liegt noch ein großes Potential, wenn sie nur gut und nicht nervig umgesetzt wird. So praktisch beispielsweise Google für den Online-Direktvertrieb von Produkten auch sein mag: Für die Markenbildung werden Werbetreibende um Online-Inhalte absehbar nicht herumkommen – insbesondere, wenn auch das Fernsehen noch weiter Reichweite verliert.   Crosspost vom Onlinejournalismus-Blog […]

  30. tobiwan1138 sagt:

    Ich denke, dass die Analyse von Stephan Dörner wichtige Punkte beinhaltet. Persönlich hoffe ich, dass im Online-Journalismus ein Weg gefunden wird, mehr Leser zum Abschluss kostenpflichtiger Abos zu animieren. Es gilt, möglichst unabhängig zu sein von Werbekunden, der journalistischen Freiheit wegen. Gehe ich von meinen eigenen Lesegewohnheiten im Netz aus, wünsche ich mir die Möglichkeit, mehrere Portale gebündelt zu abonnieren, denn ein großer Vorteil der Netzlektüre liegt darin, dass ich schnell zwischen unterschiedlichen Plattformen hin- und herwechseln kann.

  31. […] Frei­wil­lig­keit scheint also nicht zu funk­tio­nie­ren. Ordent­li­che Abo-Modelle müssen her, wenn die Online-Medien über­le­ben wollen. Schon jetzt ein­schlä­gig ist der gute Artikel von Stephan Dörner. […]

  32. Peter Eichs Kommentar zeigt in die richtige Richtung.
    Ein wesentliche Bedingung für die Problem ist die Tatsache, dass Journalismus noch nie sich finanzieren konnte. Keine Zeitung verlangt vom Leser den Preis, den ihre Herstellung kostet. Stattdessen wird die journalistische Arbeit über Werbung querfinanziert. Das schafft nicht nur falsche Anreize für die Ausrichtung des Produkts (Stichwort „Werbeumfeld“) sondern bricht eben auch zusammen, wenn die Preise für Werbung sinken bzw. an anderer Stelle günstigere und sogar bessere (im Sinne von besser kontrollierbare) Alternativen entstehen.
    Und erst hier kommt das Internet ins Spiel – nämlich als Vervielfachung der möglichen Werbeplätze, der Verbesserung der Kontrollmaßnahmen und der Bündelung durch einen Anbieter: Google.
    Insofern haben die Verlage schon Recht, wenn sie Google als (ihren) Hauptfeind erkennen. Allerdings nicht, weil Google Verlagsinhalte kopiert und sich daran bereichert, sondern weil Google ein überlegenes Produkt zu ihrem Hauptertragslieferanten „Anzeige“ etabliert hat.

  33. […] Seit der Insolvenz von Frankfurter Rundschau und dem Aus der FTD überschlagen sich wieder einmal die Analytiker. Die eine einen, wie Werner D’Inka, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, verdammen das Internet. Die anderen, wie Wolfgang Michal, wiederholen die zehn Jahre alte Litanei, die Verlage hätten das Internet verschlafen.Ich glaube, dass beide Seiten falsch liegen. Natürlich ist es unsinnig das Internet zu verdammen. Auf der anderen Seite gehört es aber seit Jahren zur Lebenslüge der Digitalen Avantgarde, die sich zum Journalismus äußert, dass die Verlage das mit dem Internet nur mal richtig begreifen müssten und dann wären alle Probleme gelöst.Ich möchte an dieser Stelle beispielhaft zehn Überzeugen von beiden Seiten nennen, die aus meiner Sicht schlicht nicht stimmen. Und ganz am Ende möchte ich sogar einen Lichtblick für den Onlinejournalismus aufzeigen.Fünf Lebenslügen der Digitalen Avantgarde  […]

  34. René sagt:

    Ein kleiner Hinweis an den Autoren des Beitrags: Die iPad-App der Süddeutschen Zeitung, also die Tablet-Ausgabe des gedruckten Blattes, erlaubt durchaus das Teilen von Artikeln – zum Beispiel per Mail.

  35. […] hundertprozentig recht hat keines der Lager, findet Stephan Dörner – und zählt jeweils fünf Lebenslügen der digitalen Avantgarde und der Verlage auf. Was interessant zu lesen ist, die Frage danach aber, […]

  36. sofias mint sagt:

    gibt es außer der taz überhaupt eine größere deutschsprachige webzeitung die ma einfach so _bezahlen_ kann? also für öffentliche inhalte und nicht für eine paywall.
    ich kenne jedenfalls keine. und sich dann zu beschweren ist nicht wirklich glaubwürdig.

    und belohnungsmodelle dafür währen auch naheliegend. ab einem bestimmten gezahlten betrag könnte der werbeanteil reduziert werden, was gleichzeitig mehr unabhängigkeit und weniger seo-klickwüste bedeuten würde.

    die archive könnten für offiziell torrentifiziert werden, statt auf piratebay ein illegales schattendasein zu führen. einfach jahr für jahr freigekauft. vollständige feeds, epub, ordentliche verlinkung von quellen.. und wo ich grad beim träumen bin: halbwegs angemessene lizenzen. das währen dinge für die ich zahlen würde.

    im moment werden datenbankzugriffe an kleine interessengruppen verkauft, wieviele mehr wohl für opendata zahlen?

    natürlich währen das experimente, aber das risiko ist so gut wie null. sobald kein geld mehr fließt gibts wieder nur seo-zeitung mit stinkewerbung. ganz automatisch.

  37. Caramac sagt:

    Zur Online-Werbung muß ich aber auch sagen, daß ich sie einfach gnadenlos ausfiltere – wie die meisten User, die ich persönlich kenne. Und je mehr Leute das so halten und ihr Netz einfach technisch werbefrei machen, desto schlechter läuft das Geschäft mit der Online-Werbung.

    Ich denke einfach, daß es nicht so einfach ist, im Internet Geschäfte mit Inhalten (paid content) und Aufmerksamkeit (Werbung) zu machen – solange es Möglichkeiten gibt, an den gewünschten Content gratis zu gelangen, legal oder illegal, wird das geschehen, und solange man die Ablenkung der Aufmerksamkeit durch unerwünschten Content abschalten kann, werden Leute Werbung ausfiltern.

    Dank der Digitalisierung des Fernsehens kann man inzwischen auch aus dem TV-Programm die Werbung ausblenden, wenn man bereit ist, sich erst mit einer gewissen Zeitverzögerung vor die Glotze zu setzen. Prinzipiell gibt das schon zu analogen Videorecorder-Zeiten, aber dank digitaler Recorder und Algorithmen zur automatischen Erkennung von Werbeblöcken ist das inzwischen so bequem geworden, daß man sich fragen muß, ob das werbefinanzierte Fernsehen überhaupt eine Zukunft hat.

    Das Internet ist ein Medium, das eben aufgrund der Tatsache, daß es weder ein reines Massenmedium ist, wie klassischerweise Rundfunk, Fernsehen, Print, noch ein reines Kommunikationsmedium, wie Brief oder Telefon. Es ist eher mit CB-Funk vergleichbar – man könnte es ein Massenkommunikationsmedium nennen, jeder einzelne User kann mit vielen anderen kommunizieren, in beide Richtungen. Wir können heute die gesellschaftlichen Auswirkungen der digitalen Informationsverarbeitung und -übertragung noch überhaut nicht absehen – aber es ist nicht gänzlich unwahrscheinlich, daß die alten vordigitalen Medien ganz an den Rand gedrängt werden, und mit ihnen die alten Geschäftsmodelle.

    Vielleicht wäre eine Kulturflatrate eine gute Übergangslösung, solange noch nicht absehbar ist, wie die Entwicklung weitergeht. Man könnte die Rundfunk- und Fernsehgebühren ein wenig erhöhen und dafür einen Teil davon den Urhebern verschiedenster medialer Inhalte zukommen lassen, wobei man anonymisierte Zugriffsstatistiken benutzt, um die Verteilung zu regeln. Damit dabei aber nicht nach dem Prinzip „Der Teufel scheißt immer auf den dicksten Haufen“ ein paar große Anbieter 99% der Gebühren einsacken und für die restlichen Millionen von Urhebern nur winzige Krümel von dem restlichen 1% übrigbleiben, sollte die Verteilungskurve so verzerrt sein, daß auch derjenige, der nur 100 Rezipienten im Monat hat, noch seine Serverbetriebskosten decken kann, auch wenn das bedeutet, daß die großen Haie dann nur noch 40% abbeißen können statt 99%.

    Schließlich und endlich sollte es ein bedingungsloses Grundeinkommen geben. Für alle. Es muß nicht viel mehr sein als Hartz IV (ein wenig schon, denn von Hartz IV kann man nicht wirklich leben, nur irgendwie dahinkriechen) – aber es darf an keinerlei Bedingungen geknüpft sein, außer, daß man Gehirnströme hat, also am Leben ist. Das würde ganz nebenbei auch Journalisten die Möglichkeit geben, völlig ohne existenzielles Risiko unabhängig von Verlagen zu arbeiten. Und wenn nun ein Journalist längere Zeit über etwas berichtet, das nicht wirklich viele Eyeballs anzieht und deswegen bei der Verteilung der Einnahmen aus der Kulturpauschale nur so gerade eben die Betriebskosten für seine Plattform decken kann, muß er trotzdem nicht hungern oder frieren.

  38. […] Dörner (WSJ.de) stellt im Onlinejournalismusblog die fünf Lebenslügen der Digitalen Avantgarde jenen der deutschen…. Schlaue und lesenswerte Analyse, auch wenn Dörner selbstverständich kein Allheilmittel kennt. […]

  39. […] And in the discussion currently raging around a proposed law for criminalizing even miniscule citations (heavily pushed by the newspaper publisher’s lobby in order to extort money from google, for the google news service): Five inconvenient truths (“lifelong lies”, as the literal translation from German were) of publishers and the digital avant-garde. post, […]

  40. […] beschäftigte sich mit der Zeitungskrise und verwies u.a. auf den Artikel “Die Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Verlage” von Stephan […]

  41. […] Text über die Lebenslügen der digitalen Avantgarde und die Krise der Zeitungen. Unaufgeregt und lesenswert. Richtet sich u.a. gegen die schier […]

  42. […] – oder” heißen. Stephan Dörner erläutert in seinem interessanten Beitrag die Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Verlage, die aus seiner Sicht nicht stimmen und geht auf die damit einhergehenden Chancen des […]

  43. […] jüngster Blog-Eintrag – „Die Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Verlage“ – hat mir eine Flut von Kommentaren, Reaktionen und Verlinkungen eingebracht. […]

  44. […] Editor beim Wall Street Journal Deutschland. Dieser Beitrag ist vergangene Woche in seinem privaten Weblog Online-Journalismus-Blog erschienen. Mit Genehmigung von Stephan erscheint der Beitrag hier als […]

  45. Ich glaube, dass im Journalismus auf jeden Fall sehr viel Zukunft liegt. Sicher ist es so, dass zum Beispiel Blogs momentan noch zu selten zu leben reichen. Aber das wird sich vielleicht noch ändern. Ich finde grundsätzlich das Medium des Internets höchst erfreulich. Sehr gut finde ich auch kurze, prägnante Blogs, die kurze, intelligente Denkanstößte geben. Denn die wenigstens Menschen mögen es andauern hinunter zu scrawlen und wenn sie der Artikel nicht sehr schnell überzeugt sind sie weg. Kurze Artikel sind besser, bringen mehr Likes und Comments und deswegen mehr Traffic.

  46. […] digitalen Zeitalter zunehmenden Schwierigkeiten ausgesetzt sehen. Die meisten Angebote sind derzeit nur durch Werbung oder Querfinanzierung überlebensfähig. Bezahlmodelle wie sog. „Paywalls“ versprechen keinen Erfolg, wenn die Leser ihre Nachrichten […]

  47. […] Die Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Verlage von Stephan Dörner ist ein, zugegeben, langer Artikel, der jedoch lohnt. Er beschreibt anschaulich, gut recherchiert und ohne Aufregung die aktuelle Situation der Verlage, zeigt dazu  Lösungsmöglichkeiten auf und räumt mit der Besserwisserei der anderen auf. […]

  48. […] des Artikels “Die Lebenslügen der Digitalen Avantgarde und der Verlage” gehörte dieses Blog im vergangenen Dezember zu den beliebtesten im deutschsprachigen Social […]

  49. […] funktionieren in Deutschland nur schleppend. Sie sind oft zu kompliziert, widersprechen den Lesegewohnheiten der Digital Natives (weitere Hindernisse hier) oder sind schlichtweg schlecht umgesetzt. Hinzu […]

  50. […] meinen „Zehn Lebenslügen zum Onlinejournalismus“ habe ich die im Vergleich zu Print niedrigen Werbepreise des Onlinejournalismus als ein […]

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