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#Aufschrei – die Netzwerk-Nachricht ist geboren

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29/01/2013 von Stephan Dörner

Versprochen: Das ist mein letzter Beitrag zur Sexismus-Debatte. Und ich will mich diesmal auch auf einer ganz anderen Ebene damit auseinandersetzen, nämlich gemäß dem Titel des Blogs medientheoretisch. Dass eine relativ kleine Gruppe auf Twitter inzwischen einen großen Einfluss auf die gesamtgesellschaftliche Debatte haben kann, muss wohl nicht weiter ausgeführt werden. Immerhin wurde die von Twitter ausgehende Debatte diesmal binnen Tagen von allen Massenmedien inklusive Bild und der ARD-Talkshow Jauch aufgegriffen. Inzwischen beschäftigt die deutsche Sexismus-Diskussion sogar die New York Times. Im jüngsten Digitalen Quartett wurde über die Rolle von Twitter für das #Aufschrei-Phänomen ausführlich gesprochen:

Über den Auslöser der Debatte lässt sich ebenso streiten wie über manche der Tweets, die unter dem Hashtag geschrieben wurden und bei denen teilweise auch nicht deutlich ist, ob es sich möglicherweise um Satire handelt. Deniz Yücel hat in der taz hat einige Beispiele gesammelt, darunter den Tweet „Der viel ältere Chef, der sich am letzten Arbeitstag auf einmal per Umarmung verabschieden will #aufschrei.“

Die Vernetzung offenbart die Relevanz einer Nachricht

Doch abseits von solchen Ausreißern gab es eben auch sehr viele Schilderungen, die zu belegen scheinen, dass sexuelle Belästigung und Sexismus in dieser Gesellschaft keine Seltenheit sind. Und hier komme ich nun zu der versprochenen medientheoretischen Betrachtung: Die Vernetzung des Internets ermöglicht neue Nachrichten als relevant zu erkennen, die klassische Medien ohne Internet gar nicht als relevant erkennen konnten.

Denn ohne das Internet wäre die aktuelle Debatte, die von dem Hashtag #Aufschrei auf Twitter ausging, nicht möglich gewesen. Warum? Ganz einfach: Weil „Mein Chef nutzt Besprechungen, um mir ans Knie zu fassen“ als Einzelschicksal keine Nachricht in einem Medium wert ist, das den Anspruch hat, über für die Allgemeinheit relevante Sachverhalte zu berichten. Erst durch die Vernetzung via Twitter und den öffentlichen Austausch über so ein Phänomen wird deutlich, dass es sich um ein Massenphänomen handelt. Erst dadurch werden viele persönliche Anekdoten zur Nachricht. Das macht den Unterschied zwischen persönlich erlebten Geschichten und einem wichtigen gesellschaftlichen Thema aus.

Zukünftig ist so etwas durchaus auch für andere persönliche Erlebnisse denkbar.

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5 Kommentare zu “#Aufschrei – die Netzwerk-Nachricht ist geboren

  1. Jan sagt:

    Stimmt. Erst seit dem Internet wissen wir z.B. auch, dass fast alle Menschen Katzen mögen 😉

    Aber im Ernst. Es gibt neben der Relevanzmessung durch Twitter ein viel verlässlicheres (und älteres) Instrument dafür: Umfragen. Muss nur jemand durchführen. Damit kann man z.B. rausfinden, dass sich x Prozent der Frauen schonmal sexuell belästigt gefühlt haben usw. Ist viel repräsentativer – aber auch viel weniger anschaulich und deshalb nicht so wirkmächtig wie tausende Anekdoten auf Twitter, die man zitieren kann.

    • Da kann ich nicht widersprechen. Aber bevor jemand eine Umfrage in Auftrag gibt, muss natürlich zumindest mal ein Anfangsverdacht auf Relevanz bestehen – sonst kommt ja keiner darauf, die Umfrage in Auftrag zu geben. Allerdings war der Anfangsverdacht bei diesem Thema zugegebenermaßen auch vor der #Aufschrei-Debatte natürlich gegeben.

  2. […] zwischen persönlich erlebten Geschichten und einem wichtigen gesellschaftlichen Thema aus. Aus: Online-Journalismus-Blog b. Soziale Netzwerke sind die digitale Straße Ohne Zweifel aber hat der Hashtag #aufschrei die […]

  3. Cida sagt:

    Diese Gerfcchte mit dem ‚es kann sich kein anderes Land wltischaftirch leisten, den ESC abzuhalten‘, halte ich ffcr den grf6dften Mfcll ever.Warum dann nicht Frankreich, England, De4nemark? Oder sonst etwas. Ich hab auf der offiziellen Seite gelesen, dass diese Gerfcchte eher von entte4uschten Fans aus Osteuropa vor allem entfacht worden sind. Auch Deutschland ist fcbrigens finanziell SEHR gebeutelt. Ich denke,dass Lena aus dem selben Grund in Oslo gewonnen hat, wie auch bei der Vorentscheidssendung. Sie ist wohl einfach niedlich und die meisten Leute finden ihre Art, Englisch zu singen oder zu reden nicht abgelutscht oder von Kate Nash kopiert. Audferdem machte es wohl einen Unterschied, sehr viele Balladen mit Geigen und so weiter waren dabei dieses Jahr, weil letztes Jahr eine Ballade mit einer Geige gewonnen hat, oder nicht?Da kam da was neues bestimmt gut.

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