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Zeitungen: Ein betriebswirtschaftliches Problem und eine technische Lösung

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14/04/2013 von Stephan Dörner

tl;dr: Statt die im Internet im Überfluss vorhandenen Inhalte hinter einer Paid-Schranke zu verbergen, könnten die Verlage auf eine intelligente Filterung von Nachrichten gegen Geld setzen – und so den Informationsbedarf der Kunden dank Internet besser erfüllen als je zuvor.

Paidcontent hat die Zeitungskrise in zwei beeindruckenden Statistiken zusammengefasst: Two charts that tell you everything you need to know about the future of newspapers.

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Quelle: paidcontent.org

Die US-Zeitungsbranche hat inflationsbereinigt in den vergangenen zehn Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar Werbeeinnahmen verloren – über die Hälfte davon in den vergangenen vier Jahren. Googles Werbeeinnahmen sind inzwischen mehr als doppelt so hoch wie die der gesamten Branche.

Die beiden Grafiken zeigen eindrucksvoll, dass das, was mit der US-Zeitungslandschaft passiert – und mit entsprechender Verzögerung inzwischen auch in Europa begonnen hat – mit „Medienwandel“ eher verharmlosend umschrieben ist.

Nun heißt dieses Blog jedoch „Chancen des Medienwandels“ – und ich sehe durchaus eine Chance für klassische Verlage, ihr Geschäftsmodell in das Internet-Zeitalter zu transformieren. In meinem Beitrag „Paid Comment statt Paid Content? Was Verlage von Xerox lernen können“ führte ich bereits aus, dass jeder langfristige Geschäftserfolg sich bei einem komplexen Produkt dadurch auszeichnet, dass sich ein Unternehmen nicht an einem etablierten Geschäftsmodell festklammert, sondern einen sich mit der Zeit wandelnden Bedarf erfüllt. So wie Xerox zu jederzeit den Bedarf der Dokumentenverwaltung in Unternehmen gedeckt hat – und so sein Geschäftsmodell gewandelt, statt sich am Produkt Kopierer festzuklammern.

Mein Vorschlag zu Rettung der Zeitungsbranche 😉

Das Internet bietet den Verlagen die Möglichkeit den Bedarf an Nachrichten in völlig neuartiger und verbesserter Weise zu decken – nur macht davon derzeit niemand gebrauch. Würde jemand den Bedarf mit diesem neuen Ansatz besser decken als jeder andere Mitbewerber, könnte er dafür Geld verlangen – ein funktionierendes Paid-Content-Modell wäre geboren.

Wie wäre es beispielsweise mit einer App, die den Nutzer zum Start durch einen kurzen Fragebogen führt: Name, Unternehmen, welche Aktien der Nutzer besitzt, welche Währungen für seine Arbeit eine Rolle spielen und in welcher Branche er tätig ist. Auf Grundlage dieser Angaben werden dann die für ihn relevanten Nachrichten gefiltert – inklusive Eilmeldungen, die per Push-Notification auf Smartphone oder Tablet angezeigt werden.

Neben den Medienquellen sollte auch das Social Web (vor allem Twitter und Facebook) nach Nennungen der eigenen Firma oder des eigenen Namens durchforstet werden. Um bei diesen Erwähnungen zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden, böte sich beispielsweise eine Abfrage des Klout-Scores des Accounts ab – dafür gibt es auch ein API.

App mit Inhalten nur eines Verlags nicht mehr zeitgemäß

Ein Großteil der unter 35-jährigen, die heute Nachrichten konsumieren, ist es gewohnt, ihre Nachrichten aus mehreren Quellen über das Web zu beziehen. Eine App also, die nur die Inhalte eines Mediums enthält, ist für viele uninteressant. Gerade den Lesern von Wirtschaftsinformationen ist heute auch kaum geholfen, wenn Sie über Paid Content Zugriff auf noch mehr Informationen erhalten – zunehmend geht es um die intelligente Filterung der für die Leser relevanten Informationen. Immerhin geht es um eine Zielgruppe, die mehr Geld als Zeit hat. Für ein intelligente Filterung und Zugriff auf sämtliche Informationen aus relevanten Kanälen wie Reuters, FAZ, Bloomberg, DowJones, Handelsblatt und Süddeutscher wäre sicher eine Zahlungsbereitschaft vorhanden.

PS: Falls einer meiner Leser in der Lage und willsens ist, eine solche App zu entwickeln – bitte bei mir melden: stephan.doerner@gmail.com. Ich habe die entsprechende Kontakte zu den relevanten Contentlieferanten – und von denen, die ich dazu angefragt habe, schon positives Feedback bekommen.

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12 Kommentare zu “Zeitungen: Ein betriebswirtschaftliches Problem und eine technische Lösung

  1. […] – und wo? Insbesondere für die Printbranche wird diese Frage angesichts der Verluste, die hier noch mal eindringlich gezeigt werden, immer dringlicher. Einen Vorschlag gibt es in diesem Text […]

  2. […] meinem Beitrag “Zeitungen: Ein betriebswirtschaftliches Problem und eine technische Lösung” habe ich kürzlich ausgeführt, warum der Schlüssel zum Geschäftsmodell Journalismus im […]

  3. […] meinem Beitrag “Zeitungen: Ein betriebswirtschaftliches Problem und eine technische Lösung” habe ich kürzlich ausgeführt, warum ein Schlüssel zum Geschäftsmodell Journalismus im […]

  4. Die nach persönlichen Präferenzen gefilterte Nachrichtenversorgung gibt es ja schon. Kostenlos von Linkedin, Twitter, Flipboard und so weiter. Leider fast alle kostenlos, mit wenig oder keiner Werbung. Einzig Linkedin hat ein Geschäftsmodell.

  5. Und (sorry für’s Stückeln) – ein Versuch einer bezahlpflichtigen App dazu gibt es im Moment von niiu.de: https://www.facebook.com/niiu.de

  6. Lutz sagt:

    Ich entscheide eigentlich gerne selbst, was für mich relevant ist und was nicht. Vielleicht gibt es ja noch mehr Menschen mit solch seltsamen Anwandlungen, ich hoffe es jedenfalls…

  7. […] @martingiesler Argumente dafür: onlinejournalismusblog.com/2013/04/14/zei… Argumente dagegen: onlinejournalismusblog.com/2013/04/25/war… Ich würde sagen: Bei Leitmedien […]

  8. […] Gerade Smartphone und Tablet böten außerdem die Möglichkeit für neue Geschäftsmodelle im Onlinejournalismus, beispielsweise stark individualisierte Apps gegen Bezahlung, siehe https://onlinejournalismusblog.com/2013/04/14/zeitungen-ein-betriebswirtschaftliches-problem-und-eine…. […]

  9. […] neue Recherchen geben. Immer wieder kommen auch interessante Kontakte zustande. So stehe ich seit diesem Beitrag mit mehreren App-Entwicklern im […]

  10. […] @martingiesler Argumente dafür: onlinejournalismusblog.com/2013/04/14/zei… Argumente dagegen: onlinejournalismusblog.com/2013/04/25/war… Ich würde sagen: Bei Leitmedien […]

  11. […] müssen – und das bedeutet dann Zusatzeinnahmen für die Ersteller der Inhalte. Für eine App beispielweise, die auf jene Nachrichten per Push-Notification hinweist, die den Nutzer wirklich …, sind Nutzer vermutlich auch bereit Geld hinzulegen. Dass Verlage so etwas derzeit nicht […]

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