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Wie wirkt sich die mobile Revolution auf den Onlinejournalismus aus?

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25/07/2013 von Stephan Dörner

Vor einigen Monaten habe ich für die Bachelorarbeit einer Medienwissenschaftsstudentin einige Fragen zum Thema „Wenn journalistische Texte mobil werden – Die Auswirkungen der neuen Medien auf den Onlinejournalismus“ beantwortet. Inzwischen ist die Arbeit abgegeben und ich veröffentliche die Fragen und Antworten mit freundlicher Erlaubnis der Studentin.

In den folgenden Fragen werden mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets, als „neue Medien“ bezeichnet.

Anbei die Fragen und meine Antworten:

1. WELCHE BEDEUTENDSTE AUSWIRKUNG HABEN IHRER MEINUNG NACH DIE NEUEN MEDIEN AUF DEN ONLINEJOURNALISMUS?

– Trend zur Anpassung der Website-Inhalte auf geräteunabhängiges Design. Dazu gehört neben „responsive Design“ als Königsweg (besser als spezielle mobile Versionen der Website) auch der Verzicht auf proprietäre Formate wie Flash, die auf mobilen Geräten nicht verfügbar sind – oder zumindest eine Alternative dazu, die parallel angeboten wird.

– Eine deutliche Reichweitenstärkung von Onlinejournalismus und neue Umfelder, in denen Medien konsumiert werden (laute Umgebungen, in der Bahn, unterwegs, im Zug etc.)

– Die Frage nach App oder Nicht-App und damit zusammenhängend mögliche Bezahlmodelle muss beantwortet werden.

2. WIE HABEN SICH DIE ANSPRÜCHE DER NUTZER AN DIE JOURNALISTISCHEN INHALTE DURCH DIE NEUEN MEDIEN VERÄNDERT?

Die Ansprüche hängen sehr stark vom Gerät ab – und das Gerät wiederum von der Uhrzeit.

Früh morgens: Kurzer Nachrichtenüberblick mit dem Smartphone

Unterwegs zur und von der Arbeit: Mögliche wichtige Breaking News

Am PC auf der Arbeit: Unterschiedliche Bedürfnisse – oft Zeitvertreib und Langeweile, oft wenig Zeit und die Neigung zu schnell konsumierbaren News oder Bilderstrecken.

Abends und am Wochenende auf dem Tablet: Lange Hintergrundartikel, Analysen.

3. INWIEFERN HABEN SICH DIE ARBEITSABLÄUFE DER JOURNALISTEN DURCH DIE MOBILE ENTWICKLUNG VERÄNDERT?

Die von Onlinejournalisten haben sich meiner Erfahrung nach durch den Konsum der Inhalte auf mobilen Geräte nicht verändert. In erster Linie ist es eine Frage der technischen Umsetzung (siehe Punkt 1) – und damit haben Redakteure nichts zu tun. Was die Textlänge oder eingesetzte Medien angeht, hat sich die tägliche Arbeit der Redakteure durch Smartphones und Tablets nicht geändert.

Was sich verändert hat ist teilweise die Arbeitsweise im Außeneinsatz durch die persönliche Nutzung des Smartphones.

Fotos können nun auch im Notfall per Smartphone geschossen und direkt an die Redaktion gesendet werden. Statt Diktiergerät hat man nur noch das Smartphone dabei. Teilweise werden auch mit dem Smartphone von Journalisten aufgezeichnete Videos online verwendet – beispielsweise bei WSJ Live.

4. WELCHE  KONKRETEN  AUSWIRKUNGEN  HABEN  DIE  NEUEN  MEDIEN  AUF  DIE  PUBLIZIERTEN INHALTE?

Bislang meiner Erfahrung nach keine.

5. WIE KÖNNEN JOURNALISTISCHE INHALTE GLEICHZEITIG FÜR MOBILE ENDGERÄTE OPTIMIERT UND WIRTSCHAFTLICH RENTABEL PUBLIZIERT WERDEN?

Die Frage nach der Monetarisierung journalistischer Inhalte im Internet stellt sich seit dem Beginn des Webs, das eine Informationsvielfalt bietet und somit den Verkauf von Informationen vieler Art schwierig macht. Einige Verlage hofften, dass vor allem mit den Tablets eine Zeitenwende einhergeht, mit der Leser wieder bereit sind für entsprechend aufbereitete journalistische Formate Geld auszugeben. Das hat sich meiner Meinung nach als Irrweg erwiesen.

Die Frage nach der Finanzierung vieler journalistischer Formate online – egal ob mobil oder nicht – bleibt für mich offen.

Ausnahmen sind bislang vor allem die englischsprachigen Medien New York Times und Wall Street Journal. Sie haben durch die englische Sprache ihren potenziellen Leserkreis durch das Internet aber auch vervielfachen können – etwas, das für deutschsprachige Medien in dem Umfang nicht gilt.

6. WELCHE  CHANCEN  BIETET  DIE  MOBILE  ENTWICKLUNG  FÜR  DEN  ONLINEJOURNALISMUS?

Zunächst eine höhere Reichweite wie schon das Internet für eine deutlich höhere Reichweite so gut wie aller Medienmarken gesorgt hat.

Fraglich ist derzeit noch, ob sich diese auch wirtschaftlich bezahlt macht angesichts der im Vergleich zu Print extrem niedrigen Werbepreise online. Möglicherweise entstehen durch die mobile Nutzung von Nachrichten-Websites aber auch neue Monetarisierungsmöglichkeiten – beispielsweise ortsbasierte Angebote oder Bezahl-Apps, die die Informationsfülle durch intelligente Algorithmen individuell filtern.

7. WELCHE RISIKEN ENTSTEHEN  FÜR DEN ONLINEJOURNALISMUS DURCH DIE  NEUEN MEDIEN?

Das Risiko der technischen Zersplitterung der Plattform, weil für jedes Gerät einzeln optimiert wird – und beispielsweise dann Mobil-Links in sozialen Medien verbreitet werden, die nicht auf das Gerät passen, von dem sie besucht werden.

Responsive Design, das Geräte-unabhängig ist, ist hier die Lösung.

8. EMPFINDEN SIE DIE AUSWIRKUNGEN DER NEUEN MEDIEN AUF DEN ONLINEJOURNALISMUS TENDENZIELL EHER ALS POSITIV ODER NEGATIV-UND WARUM?

Eher als positiv, weil dadurch mehr Leser erreicht werden können. Über Push-Notification für Eilmeldungen verbreiten sich auch Nachrichten viel schneller.

Gerade Smartphone und Tablet böten außerdem die Möglichkeit für neue Geschäftsmodelle im Onlinejournalismus, beispielsweise stark individualisierte Apps gegen Bezahlung, siehe „Zeitungen: Ein betriebswirtschaftliches Problem und eine technische Lösung„.

9. WIE  STELLEN  SIE  SICH  DIE  WEITERE  ENTWICKLUNG  DER  MEDIENNUTZUNG  UND -VERBREITUNG  VOR?

„Always on“ wird der Standard – Nachrichten werden zu einem großen Teil auf dem Smartphone konsumiert. Der PC wird vor allem zum Medium, das bei der Arbeit genutzt wird, um sich zu informieren. Abends und am Wochenende wird das Tablet den Medienkonsum dominieren.

Printmedien bleiben erfolgreich in der Nische für Analysen, Hintergründe und Special Interest. Papiermedien werden zum Luxusgut.

Auf Smartphone und Tablets (und möglicherweise weiteren Geräten wie Google Glass) entstehen neue journalistische Formate, die beispielsweise von der Geo-Lokalisierung und der Möglichkeit, Nachrichten individuell zu gewichten, Gebrauch machen.

Privat-Blogs bleiben in der Nische – allerdings haben Prominente aller Art durch das Internet die Möglichkeit, direkt mit ihrem Publikum zu kommunizieren ohne auf die klassischen Medien angewiesen zu sein. Zudem nutzen schon heute immer öfter Personen, die Gegenstand von Berichten wurden, das Internet zur „privaten Gegendarstellung“ – so zum Beispiel Marina Weisband oder zuletzt eine Prostituierte und Piraten-Politikerin, die vom Spiegel interviewt wurde. Das wird noch zunehmen – möglicherweise auch mit unangenehmen Folgen wie der gezielten Verleumdung einzelner Journalisten.

Anschließend gab es noch zwei Zusatzfragen:

Können mobile journalistische Texte und Inhalte noch als Onlinejournalismus bezeichnet werden, oder handelt es sich dabei bereits um eine neue Medienform-einen mobilen Journalismus?

Ich bin kein Medientheoretiker, sehe aber keinen Grund dafür, warum mobile Inhalte nicht auch als Onlinejournalismus bezeichnet werden sollen – zumindest, wenn sie klassisch über das Web aufgerufen werden. Etwas anders könnte man das sehen, wenn journalistische Inhalte mobil für eine eigene App aufbereitet werden. Hierbei stehen jedoch die besonderen Darstellungsformen im Vordrergrund, die Apps erlauben – insbesondere beim Layout – nicht unbedingt die mobile Nutzung. Apps auf dem Tablet werden immerhin überwiegend nicht mobil genutzt, sondern zu Hause, zum Beispiel auf der Couch.

Ist es in Zukunft sinnvoll, die Redaktionen für Print-, Online- und mobile Inhalte getrennt arbeiten zu lassen, oder ist eine gemeinsame Redaktion denkbar, die ein mehrfach verwertbares Produkt erstellt?

Bei der auf mobile Geräte optimierten Website sehe ich keinen Grund, warum diese von einer getrennten Redaktion erstellt werden sollte – und ich kenne auch kein Beispiel dafür in einer Redaktion. Eigene Redaktionen für Apps gibt es hingegen bei einigen Tageszeitungen. Als Vorbild gilt vielen in der Branche allerdings der britische Guardian, der schon vor Jahren eine integrierte Redaktion für alle Plattformen geschaffen hat, die alle Kanäle bespielen – egal, ob Print, Online oder Apps.

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Ein Kommentar zu “Wie wirkt sich die mobile Revolution auf den Onlinejournalismus aus?

  1. Anonymous sagt:

    Ich habe die Antworten zu dieser Fragen Interessant gefunden – Ich studiere seit eine Semester ein Modul ‚Medien und Öffentlichkeit’ an der University of Kent. Jedoch stimme ich nicht mit mobil Inhalte als onlinejournalismus bezeichnet, besonders mit apps. Ich habe eine Newsapp auf meinem Smartphone und obwohl es nutzlich und interessant ist, sind die Artikeln oft kurz. Es dauert nur 2 Minuten, diese zu lesen und warscheinlich nur 10 Minuten einen solchen zu schreiben. Deshalb denke ich, dass dies kein ‚Jounalismus‘ ist. Ich halte einen solchen Artikel nur für ein Überblick und wenn ich mich mehr über das Thema informieren will, muss ich nach längeren Artikel suchen. Es war interessant zu lesen, wann verschiedene Geräte am meisten benutzt werden. Es scheint heutzutage in unserem Alltagslebens normal zu sein, dass die Mehrheit der Menschen Apps am Morgen benutzten, statt Papiermedien wie früher. Vielleicht, weil es schneller, einfacher und billiger ist. Es ist zudem einfacher, ein Smartphone unterwegs zu benutzen. Es ist mit den kleinen Geräten im Zug bequemer einen Artikel lesen mit Print-Zeitungen. Ich find Ihre Erkenntnisse im Abschnitt ‚Am PC auf der Arbeit‘ interessant. Es zeigt, die Menschen lesen nur zum Zeitvertreib, und sie lesen nicht genau, obwohl es auf dem Computer ist. Aus diesem Grund glaube ich, dass es in Zukunft keine regelmäßigen Printmedien wie Wochenzeitungen geben wird. So viele Menschen lesen heute lieber auf ihren Computern oder Tablets, dass es besser für Zeitungen in den folgenden Jahren sein wird, nur online Artikeln zu publizieren. Deshalb gibt es meiner Meinung nach immer mehr Werbung online. Als weiteres finanzielles Standbein für Zeitungen sind digitale Abos wichtig.

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