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Markus Lanz – die personifizierte „Foxnewsisierung“ des deutschen Fernsehens

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24/01/2014 von Stephan Dörner

Die umstrittene Sendung mit Sahra Wagenknecht hin oder her – Markus Lanz ist ein grottenschlechter Moderator und ein Vorreiter einer Entwicklung, die ich die Foxnewsisierung* des Fernsehens nennen will: Auch komplizierte politische Sachverhalte werden so weit herunterverdummt (Englisch „dumbing down“), bis wirklich jeder dazu zumindest so etwas wie ein Gefühl entwickeln kann.

Ja oder nein, dafür oder dagegen, gute Sache oder schlechte Sache – „rein in den Euro oder raus aus dem Euro“, wie es Lanz in der Wagenknecht-Sendung formulierte, worauf die Angesprochene trocken erwiderte, dass es ein Rein in den Euro schon deshalb nicht geben könne, weil Deutschland schon drin sei.

Ich halte Markus Lanz in jeder Hinsicht für einen schlechten Moderator – sogar für Unterhaltungssendungen. Er moderiert nicht, er spult Routinen ab – immer dieselben. Wer auch nur zwei Sendungen von ihm gesehen hat, dem muss das auffallen. Lanz bedankt sich immer „sehr sehr herzlich“ bei allen seinen Gästen – am Ende jeder Sendung. Er nutzt immer exakt dieselbe Fragetechnik, stellt sich nicht auf Gäste ein – und informiert sich nur extrem oberflächlich. Jede Befragung seiner Gäste wirkt wie die Wiedergabe der Top-20-Themen eines Google-Suchergebnisses zu dem entsprechendem Gast. Geht es im Gespräch auch nur zwei Zentimeter tiefer, will Lanz „nicht ins Detail gehen“ – eine weiter Floskel aus seinem Moderations-Baukasten.

Die Petition gegen Lanz hat inzwischen mehr als 165.000 Unterstützer und natürlich ist sie auch ein Kanalisierung der Unzufriedenheit mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dem Gebührensystem insgesamt – eine Unzufriedenheit, die sich schon im Zuge der eigentlich völlig harmlosen Umstellung auf das System Rundfunkbeitrag gezeigt hat. Dennoch will ich kurz darstellen, warum das häufig entgegnete „Dann schalt halt nicht ein“ im Falle Lanz aus meiner Sicht keine Lösung ist.

Würde Lanz nur „Wetten, dass …?“ moderieren, wäre er mir egal. Ein überbezahlter schlechter Moderator für eine Unterhaltungssendung, die ich nicht sehe, aber mitfinanzieren muss und die vermutlich auch werbefinanziert im privaten Rundfunksystem weiterexistieren könnte – dasselbe gilt für eine ganze Reihe von Sport- und Unterhaltungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Doch die Tatsache, dass Lanz es nicht bei der seichten Unterhaltung belässt, sondern sich auch mit politisch und gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigt und dort Einfluss hat, macht ausgerechnet das ZDF als öffentlich-rechtlichen mit Zwangsgebühren finanzierten Sender zu einem Vorreiter der „Foxnewsisierung“ des deutschen Fernsehens. Eine Art der politischen Berichterstattung, bei der alles bis auf eine einfache Ja/Nein, Dafür/dagegegen oder eben „Rein oder raus“-Frage simplifiziert werden kann – koste es, was es wolle, vor allem den differenzierten Blick auf die Wirklichkeit. Zu „Ja oder Nein zu Europa“ hat eben auch der Uninformierte noch so etwas wie ein spontanes Gefühl, was Politik für ihn wieder interessant macht.

Ich möchte mit meinem zwangsweise entrichteten Rundfunkbeitrag diese Verdummung in der Berichterstattung nicht fördern. Mir ist es relativ egal, ob Lanz weiter als Moderator durch Unterhaltungssendungen führt, durch die er sich mit seinem Routinen-Baukasten durchhangelt – die Quoten sprechen für sich. Aber die Forderung, dass nicht ausgerechnet ein öffentliche-rechtlicher Sendung das „Dumbing down“ der politischen Berichterstattung anführt, halte ich für sehr berechtigt und eben auch gesamtgesellschaftlich relevant – unabhängig davon, ob man diese Sendung nun persönlich regelmäßig einschaltet oder nicht.

*Thorsten Kleinz weist auf Twitter zu Recht darauf hin, dass ich eher CNN im Kopf hatte als Fox News.

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15 Kommentare zu “Markus Lanz – die personifizierte „Foxnewsisierung“ des deutschen Fernsehens

  1. Ich stimme dem Beitrag voll und ganz zu! Dass das ZDF hier eine Vorreiterrolle einnimmt, zeigt sich auch in anderen Sendungen. Heute früh zum Beispiel im ZDF-Morgenmagazin beim Thema Fluoride: die um Aufklärung bemühte Netzgemeinde treibt laut Studiogast einfach nur die berühmte Sau durchs Dorf. Nach völlig unzureichendem Monolog des Gastes ohne weitere kritische Nachfragen verkündet Frau Heyde: „Flouride sind nicht giftig!“ . Ja und Amen. Danke für diese journalistische Glanzleistung!
    (Literaturhinweis: Giftcocktail Körperpflege: Der schleichende Tod aus dem Badezimmer, ISBN 3941956019)

    • derkamener sagt:

      @Ukat: da das Buch „Giftcocktail Körperpflege“ aus der Esoterikecke kommt, ist das ein denkbar schlechtes Beispiel. Nur weil etwas in einem Buch steht, muss es nicht die Wahrheit sein.

      • J. Scholl sagt:

        @derkamener Nur weil das Buch in einem Verlag erscheint, der auch – aber nicht nur – spirituelle Bücher herausgibt, muss das Buch selbst ja kein Eso-Mist sein. Oder hast du es etwa gelesen? Nun, ich hab’s gelesen. Von Eso weit und breit keine Spur. Hohes wissenschaftliches Niveau, leicht verständlich aufbereitet. Unter http://www.facebook.com/giftcocktailkoerperpflege findet sich übrigens auch eine Leseprobe. Denke, die wird dir deutlich machen, was ich meine.

      • Hendrik sagt:

        @J.Scholl:

        „Hohes wissenschaftliches Niveau“ von einer gelernten WERBETEXTERIN (!!!!)?

        http://copywriting.de/person/

        Und ja, ich habe es gelesen, hatte das Vergnügen es mal beim Wichteln zu „gewinnen“. Absolut haarsträubend was dadrin steht. Wer keine Ahnung von Naturwissenschaften hat, für den klingt das natürlich alles logisch. Ändert aber nichts daran, dass es nicht stimmt.

      • J. Scholl sagt:

        @hendrik Oh, da ist ja jemand neidisch.

      • J. Scholl sagt:

        @hendrik Wenn Sie das Buch tatsächlich gelesen haben, dann sagen Sie doch mal, was Dr. Rüdiger Dahlke in seinem Vorwort auf Seite 13 ab Zeile 12 schreibt. Das führt Ihre Aussage nämlich ad absurdum 😉

      • breinius sagt:

        @J. Scholl: „Nur weil das Buch in einem Verlag erscheint, der auch – aber nicht nur – spirituelle Bücher herausgibt, muss das Buch selbst ja kein Eso-Mist sein. Oder hast du es etwa gelesen?“
        Das ist nicht der Punkt. Den Stürmer würde man ja auch nicht lesen oder Bücher aus dem KOPP-Verlag.
        Wenn jemand seine Reputation so sehr in den Keller geritten hat, kann er nicht verlangen, dass man ihm weiterhin vertraut. Natürlich, wenn ein Verlag einen Haufen Mist verlegt, kann man zurecht davon ausgehen, dass das nächste Werk auch Mist ist. Ist doch nur vernünftig.

        Andersherum wird eher ein Schuh daraus. Wenn jemand ein sachliches Werk veröffentlichen möchte. An wen wird er sich wohl zu erst wenden, an den KOPP-Verlag oder an J-K-Fischer? Sicher nicht. Diese Verlage veröffentlichen nur diejenigen, die woanders nicht mit dem Arsch angesehen werden. Und das, wie mir scheint, mit gutem Grund.

        Gruß
        BrEin

  2. egghat sagt:

    Naja, ich weiß nicht. Politische Sendungen, die alles auf ein simples ja-nein kondensieren wollen, haben wir doch schon länger. Inklusive Zuschauerabstimmung am Ende, um den überzeugendsten Kandidaten herauszufinden.

    Ja, Lanz ist schlecht. Und zwar schon lange und auf allen Ebenen. Dass das zdf dem Lanz eine angeblich politische Talkshow gibt, ist ein Desaster. Die Aufregung darüber kann ich trotzdem nicht nachvollziehen. Ich ziehe aus den anderen Talk Shows auch wenig Erkenntnisgewinn.

    Der vom vorposter geäußerte Vergleich mit dem Morgenmagazin passt schon. So muss man Lanz rezipieren (oder es halt wie ich es zu tun pflegen eben nicht anmachen).

    Wieso hat der Lanz eigentlich die kochsendung aufgegeben? Das ist die entscheidende Frage 😉

  3. breinius sagt:

    Kann es sein, dass deine Kategorie, den du extra für diesen Artikel angelegt zu haben scheinst, nicht „Polemik“ heißen soll? 😉

    Gruß
    Fabian 😉

  4. opalkatze sagt:

    Oder MSNBCisierung? MSNBC interrupts Congresswoman for report on Justin Bieber (Allerdings ist das schon eher Gottliebisierung. Hm.)

  5. pbiel sagt:

    Hat dies auf Schleudergang rebloggt.

  6. […] Markus Lanz – die personifizierte „Foxnewsisierung“ des deutschen Fernsehens | Online-Journali…24. Januar 201411:09 160.  […]

  7. Pfeffermatz sagt:

    Boah, ich habe gestern den Kindern zu liebe „Wetten dass…“ geschaut. Jede Wette „riesig, riesig,riesig“, die (tatsächlich unterhaltsame) Außenwette sogar „die beste Außenwette seit Jahren“, jedes Peter-Maffay-Album angeblich „ein musikalisches Großereignis in Deutschland“, die Band von Maffay „die beste Band der Welt“; macht jemand einen halben Scherz, grinst er sein „Meine Sendung ist großartig“-Lachen. Er ermüdet den Zuschauer mit nicht eingelösten Superlativen. Selbst meine Kinder finden ihn totlangweilig…

  8. Jochen Paul sagt:

    Schickt den Östi wieder nach Hause nach Südtirol vielleicht ist er ein besserer Bergbauer,

  9. Jan Doering sagt:

    Absolut richtig, was du da schreibst – Markus Lanz simplifiziert zu stark. Damit will er die Verständlichkeit fördern, oftmals geht das aber auf Kosten der journalistischen Gründlichkeit. Eins seiner weiteren Mankos: Er hält zu stark an seinen vorbereiteten Fragen fest, wodurch ihm die Möglichkeit zu improvisieren und auf einzelne Teilnehmer einzugehen verloren geht.

    Man könnte dies zum einen durch eine bessere Recherche und klarerer Aussagen lösen und zum anderen durch Übungen zum Loslassen.

    Dass dies offensichtlich nicht passiert ist, hatte zur Folge dass Lanz ja inzwischen „Wetten, dass…“ nicht mehr moderiert. Hätte Markus Lanz nur mal ein bisschen mehr an sich selbst gearbeitet…

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