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Cecil – lasst mich mit diesem Löwen in Ruhe!

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03/08/2015 von Stephan Dörner

In Simbabwe wurde ein Löwe von einem Wilderer getötet. Das soll häufiger vorkommen und ist sicher etwas, was bekämpft werden sollte – immerhin gehören Löwen zwar nicht zu den akut vom Aussterben bedrohten aber durchaus zu den gefährdeten Arten. Die Unterart Asiatischer Löwe (Panthera leo persica) wird in der Roten Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) sogar als „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered) gelistet.

Nun ist es generell so, dass das hungernde Kinder, Kriege und ähnlich katastrophaler Ereignisse ein beliebtes Totschlagargument sind, jede Diskussion über andere Missstände im Kern abzuwürgen und ihre Bekämpfung zu verhindern. Es ist sicher gut, sich für Tierschutz, für Datenschutz oder für irgendein anderes gutes Ziel einzusetzen, auch wenn Menschen im Krieg sterben, hungern oder an vermeidbaren Krankheiten sterben – wie es immer noch in großem Umfang auf dieser Erde vorkommt.

In diesem Falle aber fällt aus meiner Sicht das krasse Missverhältnis zwischen Größe des Problems und Menge der medialen und öffentlichen Aufmerksamkeit besonders stark auf. Was mich an der medialen Dauerbefeuerung mit dem Löwen Cecil stört ist die menschliche Tendenz zur Kanalisierung auf Sündenböcke. Der Wilderer ist in diesem Fall ein weißer, reicher Amerikaner – und dazu noch Zahnarzt. Einen besseren Bösewicht gibt es wohl kaum.

Nun gibt es Millionen Menschen, die sich in Social-Media-Kanälen wohlfeil über diesen Mann erheben, während jeder normale Fleischesser für Tausende Male mehr Tierleid verantwortlich ist.

Ich sehe Parallelen zum Protest gegen Pelzträgerinnen von Peta & Co: Ja, Nerzfarmen sind schlimm. Aber wahr ist auch: Gegen eine kleine Minderheit von Pelzträgerinnen lässt sich viel leichter hetzen, als gegen die Masse der Schnitzelesser. Da klatscht der Schnitzelesser sogar noch Beifall und kann sich als was Besseres fühlen – sehr bequem für alle Beteiligten.

In solchen Fällen habe ich immer die mittelalterliche Gesellschaft vor meinen Augen, die ihre Komplexe aufgrund unvermeidlicher Sünden auf Hexen und Ketzer ablädt. Wir alle wissen, dass unser Lebensstil  in die Katastrophe führt, wenn er zum weltweiten Standard wird – aber ab und zu kommt zum Glück so ein „Arschloch“ (Titelseite B.Z.) und lädt alle Sünden auf sich. Da kann man sich dann wieder besser fühlen.

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Ein Kommentar zu “Cecil – lasst mich mit diesem Löwen in Ruhe!

  1. trophäenjagd ist feige und brutal ! die empörung ist gross.
    cecils mörder wünscht sich jetzt, er hätte, wie bill cosby, „nur“ 30 frauen vergewaltigt.

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