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New York Times profitiert von der Flexi-Zahlschranke

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09/02/2013 von Stephan Dörner

Es geht also – zumindest für die Großen: Nachdem das Wall Street Journal online mit seinem Paid-Content-Modell gute Erfolge feiern kann, verdient nun auch die New York Times wieder mehr durch Leser als durch Werbeerlöse.

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Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Bei den Vertriebserlöse weist die renommierte US-Zeitung 953 Millionen US-Dollar für 2012 aus, die Werbeeinnahmen betrugen 898 Millionen. Die New York Times hatte das Modell der „Metered Paywall“ eingeführt. Die Idee ist nur die Stammleser zur Kasse bitten, zufällig via Google, Facebook oder Twitter vorbeischauende Leser deswegen aber nicht auszuschließen – was sowohl die Werbeerlöse maximiert, als auch Werbung für das Angebot ist. Im März 2011 führte die New York Times die Flexi-Bezahlschranke ein, Nutzer werden seitdem nach 20 Zugriffen im Monat aufgefordert, ein Abo abzuschließen.

Statista.de schreibt:

Die Zahl der Abonnenten von New York Times und International Herald Tribune stieg allein zwischen Oktober und Dezember gegenüber dem Vorquartal um rund 13 Prozent auf 640.000. Noch deutlicher zeigt sich der Erfolg des Geschäftsmodells im Jahresvergleich. Gegenüber dem vierten Quartal 2011 legte die Zahl der digitalen Abonnenten um 64 Prozent zu.

Für die deutschen Verlage ist das Beispiel der New York Times sicher ermutigend. Zeigt es doch, dass es möglich ist, die Verluste bei Print und Werbung weitgehend auszugleichen. Allerdings haben die deutschen Zeitungen bisher noch Schwierigkeiten aus dem digitalen Geschäft Kapital zu schlagen, wie etwa der Blick auf die ePaper-Auflagen der großen Tageszeitungen zeigt.

PaidContent.org nimmt das zum Anlass Medienhäusern fünf Wege aufzuzeigen, wie sich möglichst flexible Bezahlschranken errichten lassen. Einer der Vorschläge: Neben der Möglichkeit ein Gesamt-Abo abzuschließen, könnten die Leser auch eine Autoren-Flatrate buchen – beispielsweise alle Artikel von Nick Kristof von der New York Times, alle von Walt Mossberg beim Wall Street Journal oder alle Inhalte von Felix Salmon bei Reuters. Diese Möglichkeit spricht für die alte These von Jeff Jarvis, dass Journalisten im 21. Jahrhundert sich zunehmend als Marken verstehen müssen, die sie sich über ihre Tätigkeit hinaus beispielsweise in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook aufbauen. Nur, dass diese These nicht nur für freie Journalisten gilt, sondern auch für Angestellte.

Verlage könnten Zeit mit Experten verkaufen

Einen weiteren Weg zeigt das Start-up Clarity. Nutzer können sich dort Zeit mit einem Experten für ein bestimmtes Fachgebiet kaufen und sich so beraten lassen. Hat eine Zeitung Koryphäen auf einem bestimmten Gebiet, die sich durch ihre publizistische Arbeit einen Ruf erarbeitet haben, wäre auch das ein Modell. In Deutschland versucht das Handelsblatt derzeit einen ähnlichen Ansatz. Ein neues Handelsblatt-Institut unter der Leitung von Bert Rürup forscht für andere. Bereits seit längerem betreibt die FAZ das FAZ-Institut als weitere eine weitere Einnahmequelle neben dem Journalismus.

Wieder einmal zeigt sich: Das Internet stellt das bisherige Verlagsgeschäft vor einen Umbruch, die Angelsachsen nennen es eine Disruption. Doch der Umbruch eröffnet auch viele neue mögliche Einnahmequellen mit dem Geschäft des Journalismus. Spannend wird zu sehen sein, wie viele davon von den Verlagen ausgefüllt werden – und wie viele von Start-ups wie Carity und Storyful.

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3 Kommentare zu “New York Times profitiert von der Flexi-Zahlschranke

  1. Wenn schon Bezahlschranke, dann sollte man nicht nach Wochen oder Monaten abrechnen, sondern nach der Zahl der gelesenen Artikel. Das ist das nutzerfreundlichste. Wenn dann ein Nutzer nur Artikel eines speziellen Autors abruft, dann kann er das auch machen. Ich warte auf das Angebot 100 Artikelaufrufe für 9,90€.

  2. […] kann, verdient nun auch die New York Times wieder mehr durch Leser als durch Werbeerlöse. Aus: Online-Journalismus-Blog Schlusspunkt: Der Wirtschaftstext des Tages Asien treib die globalen Investitionen Die globale […]

  3. […] New York Times pro­fi­tiert von der Flexi-Zahlschranke « Online-Journalismus-Blog – Es scheint, als ließe sich im Inter­net doch Geld verdienen. […]

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